Ich bin pensionierter Polizeibeamter, habe kein Theologiestudium absolviert und lese schlicht die Bibel. Oder besser gesagt, ich lebe mit ihr seit 48 Jahren. Damals hatte Gott mein Leben verändert, indem Er es aus der gefühlten Sinnlosigkeit unter die Herrschaft und in die Gemeinschaft Seines Sohnes führte. Wie kam es dazu?
Als ich mit 15 meinen Realschulabschluss in der Tasche hatte, und mir mit Erschrecken klar wurde, dass nun ein Arbeitsleben beginnen würde, indem ich von morgens bis abends in irgendeinem Büro oder in einer Fabrikhalle gefesselt wäre, an den kurzen Tagen der Wintermonate sogar von Dunkelheit zu Dunkelheit, da kam Panik auf!
Die wurde auch nicht besser, als ich daran dachte, was nach diesem Arbeitsleben sein würde. Rente und Altersbeschwerden im Doppelpack? Und dann der finale Sprung in die Holzkiste? Sollte das das Leben sein? Die Frage nach dem Sinn des Lebens kam hoch. Und ich wurde die nicht mehr los. Mehr noch, sie entwickelte sich zu einer aktiven Sinnsuche. Damals noch nicht bei Google. Man musste in eine Bibliothek gehen. Von dort schleppte ich Philosophisches kiloweise nach Hause. Aber zufriedenstellende Antworten fand ich nicht.
Irgendwann griff ich zur Bibel. Die stand bei uns zuhause verstaubt im Bücherregal. Was ich darin fand, waren ellenlange Namenslisten... nur dass die Telefonnummern fehlten. Wozu war das denn gut? Ich verstand den Sinn dieser Namenslisten nicht, was durchaus auch auf den anderen Text in der Bibel zutraf. Aber dann passierte etwas sehr Merkwürdiges. Beim ziellosen Herumblättern in der Bibel sprangen mich plötzlich Sätze an, wie: "So spricht Gott der HERR: ..." oder "Und der HERR antwortete...."!
WOW! (damals sagte man übrigens noch BOAH!)... was ist das denn? Ist das wahr, dass es doch einen Gott gibt? Und dass der sogar redet? Diese Sätze, "So spricht Gott der HERR", brannten sich mir ein, auch wenn ich sonst gar nichts vom Bibeltext verstand.
Dieses Erlebnis konnte ich erst sehr viel später "theologisch erklären". Das sind kleine Angelhaken Gottes, die er auswirft, um uns zu sich zu ziehen. Denn das macht er so! „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade.“ (Jer.31,3). Und Jesus erklärt das so: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat" (Joh.6,44).
Genau das hatte ich beim ziellosen Herumblättern in der Bibel erlebt! Total keine Ahnung von der Bibel, aber einen Angelhaken Gottes eingefangen!
Aber es gab noch mehr solcher Angelhaken, die ich wegen der Längenüberschreitung dieses Textes nicht alle erzählen kann.
Meine völlige Unfähigkeit, an die Existenz Gottes glauben zu können, blieb mir trotz des "WOW-Erlebnisses" erhalten. Ich erinnere mich, dass ich einmal auf dem Weg von der Schule nach Hause gedanklich in den Himmel rief: "Wenn es dich gibt, dann musst Du mir erscheinen", und wie ich dann verstohlen zu den Büschen meiner Wohnsiedlung rüber sah. Aber da brannte keiner, wie das noch bei Mose in der Wüste so war. Trotzdem war mir diese Bitte an diesen hypothetischen Gott sehr ernst! "Wenn es dich gibt, dann musst du dich mir zeigen. Sonst kann ich nicht an dich Glauben."
Nach zwei Jahren, als ich gerade 17 geworden war, kam Er endlich "aus dem Busch heraus". Naja, nicht ganz. Es waren Schneeflocken! Ich saß an einem warmen Maitag auf dem Balkon und las in einem Buch von kalten Schneeflocken, von denen die Wissenschaftler sagen, dass sie alle unterschiedliche kristalline Strukturen haben. Keine Schneeflocke gleicht der anderen! Und dass, obwohl sie in unzähligen Myriaden vom Himmel fallen.
Als ich das las, passierte etwas in meinem Inneren, was ich beim besten Willen nicht erklären kann. ER WAR DA! BOAH! Und er zeigte mir Seine unfassbare künstlerische Kreativität, Seine jubelnde Freude am Schaffen und Gestalten in Seiner Schöpfung, Sein unfassbar mächtiges Wesen und sogar Seinen warmen, liebevollen Humor: kalte Schneeflocken im warmen Mai!
Von diesem Tag an im Mai 1977, war ich so fest von der Existenz Gottes überzeugt, dass ich bis heute, 48 Jahre später, nie wieder auch nur den kleinsten Zweifel daran hatte.
Nun ist mir klar, dass die kristallinen Strukturen von Eiskristallen kein Gottesbeweis sind. Aber dieser Lichtblitz in meinem Geist und das Wegsprengen meiner Unfähigkeit, an die Existenz Gottes glauben zu können, das war für mich ein absoluter Gottesbeweis. Das war wie ein Freiwerden von geistlicher Blindheit. Viel später hörte ich mal den Satz: "So wie es biologische Augen gibt, so gibt es auch geistliche Augen." Auf jeden Fall! Ich habe jedenfalls erlebt, wie mir die geistlichen Augen geöffnet wurden.
Aber das ist immer noch nicht das Ende der Geschichte.
Denn es reicht nicht, "nur" an die Existenz Gottes zu glauben! Auch für einen verliebten jungen Mann reicht es nicht, an die Existenz seiner "Angebeteten" zu glauben. Er muss sich schon bemühen, eine Beziehung zu ihr herzustellen. Diese Beziehung zu Gott fehlte mir noch. Und die gibt es nur auf einem einzigen Weg! Den kannte ich aber noch nicht.
Gott führte mich in dieser Zeit "rein zufällig" in eine missionarisch orientierte, evangelische Teestubenarbeit für junge Leute. Die Mitarbeiter erzählten mir, das Jesus der Dreh- und Angelpunkt einer Beziehung zu Gott ist. Und zwar der Alleinige! Das war mir, ganz ehrlich, nicht so wirklich klar. Mit Gott konnte ich ja nun etwas anfangen. Ich hatte ihn auf dem Balkon erlebt. Ich konnte jetzt an ihn glauben - und zwar ganz ohne Jesus... dachte ich.
Viele Diskussionen mit diesen Leuten später (von denen ich übrigens spürte, dass sie etwas hatten, was ich nicht hatte), begriff ich endlich, dass der bloße Glaube an Gott allein nicht reicht. Die Dämonen glauben auch an Gott (Jak.2,19). Aber haben die eine Beziehung zu Ihm? Ganz und gar nicht! Sie zittern vor Gott. Ich verstand endlich, was Jesus meinte, als er sagte: "Ich (Jesus) bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!" (Joh.14,6)
Als einer der Teestubenmitarbeiter mich dann fragte, ob ich diese Beziehung nicht beginnen wolle, war klar: Natürlich will ich das. Denn ich verstand jetzt, dass hier die Antwort auf meine Sinnsuche war! Wir zogen uns zum Gebet zurück und ich bat den Herrn Jesus um Vergebung meiner Sünden, und darum, die Herrschaft über mein Leben zu übernehmen.
Von da ab änderte sich mein ganzes Leben. Es trat eine wuchtige, grandiose Freude in mein Leben, völlig unabhängig von äußeren Umständen, und alles in den Schatten stellend, was ich bisher unter Freude verstanden hatte. Die Besuche in der Düsseldorfer Altstadt, die "Discos", die Rockband, in der ich spielte, die Mädels, all das war gegen diese Freude ein lauer Darmwind. Der Sommer 1977 war der schönste Sommer meines Lebens. Ich erlebte sozusagen die "Flitterwochen" eines frisch Bekehrten.
Aber niemand kann auf Dauer eine solche Freude aushalten. Auch Flitterwochen landen einmal im schnöden Alltag. Ich lernte das ruhigere Hineinwachsen in das Wort Gottes kennen. Ich hatte mir eine Lutherbibel, Ausgabe 1912 mit Frakturschrift gekauft (keine Ahnung, warum ich damals, als 17jähriger so eine alte Bibel in Frakturschrift bevorzugte; es war wohl eine andere Zeit). Diese Bibel ist noch heute, vollgemalt und gekritzelt, mein Begleiter. Ich wurde selbst zu einem Teestubenmitarbeiter. An den Wochenenden gingen wir durch die Straßen der Düsseldorfer Altstadt und luden junge Leute ein - so, wie ich selbst dort einmal eingeladen worden war. Dreizehn Jahre später wurde ich in den Leitungskreis der Gemeinde gewählt und wurde Teil des Verkündigungsteams, dass sich die Predigtdienste aufteilte. Meine Lieblingsdienste waren die, wenn wir "Gottesdienste im Grünen" veranstalteten, weil dort immer Leute dabei waren, die nicht zur Gemeinde gehörten und hoffentlich auch den Sinn ihres Lebens suchten. Wie ich damals.
Meine liebe Frau lernte ich in diesem Jugendkreis kennen. Sie lebte schon seit ihrem 12. Lebensjahr mit dem Herrn Jesus. Sie war in einem gläubigen Elternhaus groß geworden. Und als sie mit 12 Jahren auf einer Teenager-Freizeit von einer Diakonisse gefragt wurde, ob sie nicht ihr Leben dem Herrn Jesus Christus anvertrauen möchte, da tat sie es. Später war sie auch viele Jahre in der missionarischen Teestubenarbeit aktiv. Als wir uns verliebt hatten, und eine Zeit der Distanz brauchten (denn Sex vor der Ehe kam für uns absolut nicht in Frage), da besuchte sie eine einjährige Bibelschule. Danach heirateten wir.
Und auch hier hört die Geschichte Gottes mit mir nicht auf...
Es gab Jahrzehnte der Freude, des Scheiterns und Versagens, aber auch der Heilung. Und immer getragen von der absoluten Treue meines geliebten und anbetungswürdigen Gottes, dem unfassbar kreativen "Schneeflockenkünstler".