Neulich wurde ich vorzeitig wach und erfreute mich am Anblick des Morgensterns, der mir in der noch dunklen Nacht durch das geöffnete Fenster des Schlafzimmers hell entgegenleuchtete. Je mehr das Schwarz der Nacht in Dunkelblau, und schließlich ins Hellblau überging, umso mehr verblassten die anderen Sterne. Aber der Morgenstern hielt als letzter tapfer durch, bis schließlich die Sonne aufging.
Natürlich wissen wir, dass der Morgenstern eigentlich kein Stern ist, sondern der Planet Venus. Aber was viele nicht wissen, ist, dass er, zusammen mit der aufgehenden Sonne, ein Symbol dafür ist, dass der Herr Jesus zu zwei unterschiedlichen "Terminen" auf die Erde zurückkommen wird!
Das möchte ich hier mal ein wenig erklären.
Die allermeisten Christen, würden vermutlich auf die Frage, ob und wann Jesus einmal wiederkommt, antworten: "Am Ende der Welt. Beim jüngsten Gericht". So wird das in den großen Amtskirchen üblicherweise gelehrt. Das ist aber nur ein Teil der biblischen Wahrheit. Die ganze Wahrheit ist viel differenzierter. Und viel schöner!
Diese verkürzte Lehre vom "Jüngsten Gericht" ist (zumindest in der evangelischen Welt) eine Folge davon, dass die Reformatoren ihren Blick nicht auf die "Eschatologie", also die Lehre von den letzten Dingen, gerichtet hatten. Das ist auch verständlich, denn sie mussten ja erstmal wieder die Grundlagen des Glaubens vom Schutt des Mittelalters befreien. Bei ihnen standen Fragen im Vordergrund, wie: Wie wird ein Mensch gerettet? Wer hat letzte Autorität, Papst oder Bibel? Wie gehen wir mit der Sünde um? usw. Fragen zur Prophetie und Fragen zur Wiederkunft des Herrn hatten für sie in ihrer Situation nur geringe Priorität. Etwa zweihundert Jahre später schenkte Gott der Christenheit mit dem Aufkommen des Pietismus und der Erweckungsbewegungen einen tieferen Einblick in die Prophetie. Und spätestens Ende des 19.Jahrhunderts ging es dann richtig los. Auslöser waren die ersten bedeutenden jüdischen Einwanderungswellen (Alija) nach Israel, die im Jahr 1882 begannen. Hunderttausende jüdischer Menschen flohen vor den Progromen in Russland und Polen und anderen östlichen Ländern und kamen zurück in ihr Land, aus dem sie vor fast 1900 Jahren vertrieben worden waren: Israel. Die Christenheit wachte prophetisch auf als sie bemerkte, dass hier eine große endzeitliche Prophezeiung wahr wurde: die Wiederherstellung des Volkes Israel, das seit dem Jahre 70 n.Chr. über alle Nationen der Welt zerstreut war, und das im Jahr 1948 in die Staatsgründung mündete. Die ganze endzeitliche Prophetie hängt mit diesem Fakt zusammen, dass Israel wieder im Heiligen Land existieren muss.
Welche Rolle spielt hier nun der helle Morgenstern? Er ist ein Bild für das erste Wiederkommen des Herrn Jesus Christus für seine Gemeinde, und zwar ausschließlich nur für seine Gemeinde! Und was hat das mit der Wiederherstellung Israels zu tun? Richtig. Nichts! Denn die Erwartung der Rückkehr des Herrn Jesus für seine Gemeinde ist davon unabhängig, was mit dem Volk Israel prophetisch geschieht. Schon die ersten Christen warteten täglich auf die Rückkehr des Herrn, als es den Staat Israel noch gab. Und sie warteten auf den Herrn, als Israel nicht mehr existierte. Und sie taten das in der gesamten Kirchengeschichte. Da aber der Staat Israel prophetisch eng mit dem zweiten Wiederkommen des Herrn verbunden ist, können wir heute sagen, nachdem wir wissen, dass sich die staatliche Wiederherstellung Israels nun schon seit 1948 vollzogen hat, dass auch das erste Wiederkommen des Herrn unmittelbar bevorsteht. Für dieses erste Wiederkommen steht der helle Morgenstern, der noch in der Morgendämmerung leuchtet.
Wir finden ihn im letzten Kapitel der Bibel, in Offenbarung 22,17: „Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch diese Dinge für die Gemeinden zu bezeugen. Ich bin die Wurzel und der Spross Davids, der glänzende Morgenstern.“ (Off. 22,16) Und im nächsten Vers heißt es sofort: "Und der Geist und die Braut sprechen: Komm!" (Off. 22,17). Der glänzende Morgenstern ist also ein Symbol für das Kommen des Herrn für seine Gemeinde. Das ist noch nicht das "Jüngste Gericht"! Denn die Gemeinde wird nicht gerichtet. Sie wird "evakuiert", und zwar vor den fürchterlichen Ereignissen, die am "Tag des Zorns" eintreten werden.
Dieses erste Wiederkommen des Herrn ausschließlich für seine Gemeinde wird von der Welt nur in der Form bemerkt werden, dass Millionen Menschen plötzlich verschwunden sein werden. Der Herr wird bei diesem Ereignis keinen Fuß auf die Erde setzen. Er wird von der Welt nicht erkannt werden. Er kommt nur bis in die Wolken zurück. Dorthin werden wir, seine Gemeinde, zu ihm hin entrückt werden. "Harpazio" ist das griechische Wort für dieses fantastische Ereignis. Es bedeutet "entreißen, oder herausreissen". Man kann die Details über den Ablauf dieses Ereignisses in 1. Thess. 4,13-18 und 1. Kor.15 nachlesen.
Die Wiederkunft des Herrn war den ersten Christen noch absolut bewußt. Sie warteten täglich darauf. Und genau so will es der Herr! Auch wir sollen täglich damit rechnen. Dass es nun schon fast zweitausend Jahre her ist, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Denn aus der Sicht Gottes bedeutet diese für uns so lange Abwesenheit des Herrn nur zwei Tage! Petrus schreibt: "Dieses eine aber sollt ihr nicht übersehen, Geliebte, dass ein Tag bei dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag!" (2.Petr. 3,8) Wenn wir bedenken, dass der Herr zwei Tage im Grab lag und am dritten Tag auferstanden ist, dann wirft dies ein prophetisches Licht auf die Gemeinde, die nun schon "zwei Tage", also zweitausend Jahre in der Nacht dieser Welt existiert. Sie wird am dritten Tag, also wenn die zweitausend Jahre vorbei sind, aus dieser Nacht ins helle Licht des Tages auferstehen. Genau da stehen wir jetzt. Wir zeichnen, wo ich diese Zeilen schreibe, das Jahr 2026. Die Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung des Herrn ist nun ziemlich genau 2000 Jahre her.
Wenn der Herr als heller Morgenstern wiederkommen wird, dann werden alle in den letzten zweitausend Jahren entschlafenen Gotteskinder auferstehen. Sie waren wohl alle niemals tot, denn ihre Seelen lebten beim Herrn im Himmel. Aber dann werden sie ihren Körper wiederbekommen. Und zwar nicht den alten, sterblichen, sondern einen verherrlichten, ewigen Körper. Nachdem diese Auferstehung geschehen sein wird, werden die an diesem Tag noch lebenden Gotteskinder in einem Nu (grie.: atomos, 1. Kor. 15,52) verwandelt. Das sind die begnadeten Menschen, die nicht sterben müssen!
Die "Sonne der Gerechtigkeit" ist ein Bild für die (zweite) Wiederkunft des Herrn in Herrlichkeit und Macht, um sein tausendjähriges Friedensreich aufzurichten. Dieses Ereignis wird mindestens sieben Jahre nach seiner ersten Wiederkunft stattfinden, als er seine Gemeinde vor dem Zorn Gottes evakuierte. Diese erste Wiederkunft geschah für seine Heiligen. Die zweite Wiederkunft wird mit seinen Heiigen geschehen!
Wir lesen von ihr beim Propheten Maleachi 3,19-21: "Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen! Da werden alle Übermütigen und alle, die gesetzlos handeln, wie Stoppeln sein, und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht der HERR der Heerscharen, sodass ihnen weder Wurzel noch Zweig übrig bleibt. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und Heilung wird unter ihren Flügeln sein; und ihr werdet herauskommen und hüpfen wie Kälber aus dem Stall! Und ihr werdet die Gesetzlosen zertreten; denn sie werden wie Asche sein unter euren Fußsohlen an dem Tag, den ich machen werde!; spricht der HERR der Heerscharen."
Hier ist wieder "vom Tag der kommt" die Rede. Es ist der Tag des Zorns und des Gerichts über die ganze Welt, eine siebenjährige Periode schlimmster Gerichte Gottes. Die Gemeinde wird dann, wie gesagt, nicht mehr auf der Erde sein. „Denn Gott hat uns nicht zum Zorn bestimmt, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unseren Herrn Jesus Christus.“ (1.Thess.5,9)
Von dieser schrecklichen Zeit wäre viel zu sagen, wann, wielange und in welchen einzelnen Ereignisses das stattfinden wird. Die Bibel ist voll von Hinweisen darüber. Aber wir wollen ja jetzt über die zweite Wiederkunft des Herrn reden. Die wird am Ende dieser schrecklichen Zornesperiode stattfinden.
Ich denke, das ist jetzt klar geworden. Es sind zwei verschiedene Ereignisse in der Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen. Der helle Morgenstern ist seine erste Wiederkunft, noch in der Nacht, wenn es dunkel ist in der Menschheitsgeschichte. Hier kommt der Herr nur bis in die Wolken zurück und entrückt seine Heiligen dorthin. Und die Sonne der Gerechtigkeit ist seine zweite Wiederkunft, am Ende der Nacht, wenn der helle Tag der Menschheitsgeschichte anbricht, der sich über tausend Jahre Frieden und Gerechtigkeit unter der Herrschaft des Herrn Jesus erstrecken wird .
Die erste Wiederkunft ist nicht für alle Menschen sichtbar. In der Nacht schlafen die meisten Menschen und sehen den hellen Morgenstern nicht. Die zweite Wiederkunft geschieht für alle Menschen sichbar, weil die Sonne der Gerechtigkeit den Tag erstrahlt.
Die erste Wiederkunft geschieht nur für die, die geistlich wach sind! Das sind die wiedergeborenen Gotteskinder, die ihren Herrn sehnsüchtig erwarten. Im Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Matth. 25,1-13) ist von ihnen die Rede, die in der Nacht, nach langer Abwesenheit des Bräutigams endlich hören, dass er kommt. Hier wird der Herr seinen Fuß nicht auf die Erde setzen, sondern nur bis in die Wolken kommen. Bei der zweiten Wiederkunft wird der Herr seine Füße auf die Erde setzen, und zwar wird er auf dem Ölberg in Jerusalem stehen (Sach. 14) An diesem Tag werden sich in seinem Gefolge Engel und alle Gotteskinder der gesamten Kirchengeschichte befinden. Lesen Sie dazu die Kapitel 19 und 20 der Offenbarung.
Dieser Tag, an dem die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen wird, ist immer noch nicht das sogenannte Jüngste Gericht! Das wird erst stattfinden, wenn die tausendjährige Friedensherrschaft des Herrn Jesus auf der Erde zuende gehen wird.
Wenn Sie demnächst mal morgens früher wach werden, halten Sie doch mal Ausschau nach dem hellen Morgenstern und lesen in der Bibel alle die zitierten Stellen nach. Vom Jüngsten Gericht können Sie übrigens in Offenbarung 20,7-15 lesen.
Wenn Sie zu den Heiligen gehören, die der helle Morgenstern Jesus zu sich entrücken wird, ist für Sie das Jüngste Gericht nicht zuständig weil Ihr Gericht vor zweitausend Jahren auf Golgatha vollzogen wurde. Sie werden also nicht in das Jüngste Gericht kommen, sondern Sie werden (nach einer tausendjährigen Epoche des Dienstes für Ihren Herrn auf dieser Erde) auf einer neuen Erde und einem neuen Himmel ewig leben.
Anbetungswürdige Gnade und Herrlichkeit Gottes!