Teil 3, Der Osterbetrug - etsi Deus non daretur

Ihre Kaffeetassen sind inzwischen leer. Es ist noch Zeit. Also genehmigen Sie sich ein zweites Tässchen und schenken Faßbender auch eines ein. Der verrührt erstmal seine Milch.
"Ja, Sie haben Recht," stimmt er Ihnen zu, "Pfarrer Schmitz hat im Brustton der Überzeugung den Ostergruß gesprochen und damit die Auferstehung des Herrn verkündigt. Aber auch das ist, genau wie das Verschweigen der Sündenproblematik, ein Betrug. So leid es mir tut, das sagen zu müssen. Ich meine - er ist ja ein guter Mann, ein engagierter Pfarrer. Er ist integer, freundlich und sympathisch."
Faßbender macht eine Pause. "Ich mag ihn." Er schaut Sie an und Sie erkennen einen traurigen Zug in seinem Gesicht.
"Das Problem ist, dass ihm an der Uni, bei seinem Theologiestudium, die biblischen Glaubensinhalte verschoben wurden. Dort wird den Studenten beigebracht, dass sie mit einer ganz bestimmten Methode an die Bibel herangehen müssen. Und zwar mit der Einstellung, als gäbe es Gott nicht. Sie sagen, dass sei die wissenschaftliche Art und Weise, wie man sich der Bibel nähern müsse. Sie nennen das hochtrabend: „etsi Deus non daretur“.
Faßbender merkt an Ihrem fragenden Blick, dass Sie mit diesem Lateinspruch nicht viel anfangen können.
"Das bedeutet auf Deutsch "als würde es Gott nicht geben", oder so ähnlich. Die Universitätstheologen behaupten, es sei wissenschaftlich notwendig, beim Studieren der Bibel die innere Haltung einzunehmen, dass es Gott nicht gibt. Nur so könne man die Inhalte der Bibel wirklich korrekt erforschen."
"Naja, das kann man doch machen," entgegnen Sie. "Wenn man so tut als ob, aber in Wirklichkeit doch an Gott glaubt. Warum nicht?"
Faßbender schüttelt den Kopf. "Ja klar kann man das so machen. Aber das ist irgendwie schizophren, oder? Bedenken Sie! Wir müssen lernen, die Dinge aus der Sicht Gottes zu sehen! Was würden Sie denn davon halten, wenn Sie Bücher schreiben würden. Sagen wir, über Lebenshilfen oder so. Und dann lesen die Leute zwar ihre Bücher, sagen aber: "Ach, wir tun mal so, als hätten sie das gar nicht geschrieben". Wie fänden sie das? Ein bisschen doof und auch ärgerlich, oder?" Er grinst und fährt fort.
"Wissen Sie, ganz einfach gesagt, behaupten diese klugen Professoren an der Uni, dass die Bibel so verstanden werden muss, wie wir Menschen das wollen und nicht, wie Gott das will! Und das ist der große Fehler!"

Während Sie überlegen, was es praktisch bedeutet, die Bibel so zu verstehen, wie Gott es will, fährt Faßbender fort: "Wenn wir die Bibel aus einer menschlichen Sichtweise verstehen wollen, dann behandeln wir sie zwangsläufig wie einen Steinbruch aus dem alle vermeintliche Schlacke", Faßbender hebt die Hände und malt imaginäre Gänsefüßchen in die Luft, "rausgehauen werden muss, um an die Edelsteine zu kommen. Schlacke", wieder Luft-Gänsefüßchen, "wäre da zum Beispiel die abstruse Geschichte von der Totenauferstehung. Niemals hat ein Mensch je erlebt, dass ein Toter wieder lebendig wurde. Sowas anzunehmen, ist unwissenschaftlich. Also muss das raus aus der Bibel."

Sie hören ihm zu, müssen aber zugleich an einen jungen Bekannten denken, der als überzeugter, eifriger Christ ins Theologiestudium ging weil er Pfarrer werden wollte. Als er mit dem Studium fertig war, glaubte er vieles nicht mehr, was in der Bibel steht.

"Da kann man jahrelange wissenschaftliche Studien auf Friedhöfen machen. Mit Überwachungskameras über den Gräbern. Das wird nichts! Totenauferstehung zu behaupten ist unwissenschaftlich. Punkt. Und so denkt es in den Köpfen der Theologieprofessoren. So wissenschaftlich", wieder Luftgänsefüßchen, "studieren sie an der Uni die Bibel. Und das hat Pfarrer Schmitz verinnerlicht. Darum lehnt er die biblische Aussage ab, dass Christus leibhaftig von den Toten auferstanden ist."

"Aber muss das ein Pfarrer nicht glauben? Ich meine... er hat doch bei seiner Ordination auf die Bibel geschworen. Sagen sie da nicht so etwas wie "ich will meinen Dienst in Treue zur Heiligen Schrift tun und so predigen, wie es in der Bibel steht?"
Sie hatten diese Worte neulich gehört. Gar nicht lange her. Da wurde ein junger Vikar im Gottesdienst vom Superintendent ordiniert.
"Ja genau. Das haben sie geschworen. Umso schlimmer der Betrug."
"Herr Faßbender, sie immer mit ihrem Betrug! Jetzt machen Sie doch mal ´nen Punkt." So langsam nervt sie das Gerede vom Betrug. "Was soll daran Betrug sein, wenn Pfarrer Schmitz öffentlich proklamiert "Christus ist auferstanden"?"

(wenn Sie das auch wissen möchten... HIER geht die Geschichte weiter)

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