"Gott ist..."

Es gibt in der Bibel zwei "Gott ist..."-Aussagen, die bei oberflächlicher Betrachtung widersprüchlich sind.

Die eine Aussage kennen und hören wir alle gern. Die andere ist weniger bekannt, und hört auch niemand gerne. Aber beide Aussagen sind klare biblische Aussagen darüber, wie Gott ist.

Die erste finden wir im Johannesbrief:
"Gott ist Liebe." (1. Joh. 4,8).

Das ist wunderschön. Das hören wir gerne. Und darum wird darüber auch gerne und oft gepredigt. Und das ist gut so. Denn wir leben von seiner Liebe. Ohne sie gäbe es uns gar nicht und ohne sie wären wir für alle Ewigkeiten verloren.
Man muss sich das mal in Ruhe vorstellen: Gott ist nicht nur ein Wesen, das liebt, sondern er IST die Liebe! Das hat Konsequenzen! Denn weil er die Liebe ist, kann er gar nicht anders, als sich über uns zu erbarmen. Es entspricht seinem Liebeswesen, dass er sich über uns erbarmen muß.

Wenn wir aber mit diesem wunderschönen Wissen unsere Erkenntnis über Gott abschließen, dann ist unser Bild von Gott grundfalsch. Leider ist dies der Fehler, den viele in der evangelischen Landeskirche heute machen. Dort wird viel über Gott, der die Liebe ist, geredet, aber man hört nichts über die andere "Gott ist"-Aussage. Die finden wir im Hebräerbrief:

"Gott ist ein verzehrendes Feuer." (Hebräer 12,29)

Das hören wir nicht so gerne. Wir wollen keinen Gott, der uns gefährlich werden kann. Es heißt sogar einige Sätze zuvor, dass es "schrecklich ist, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen" (Hebräer 10,31). Und es heißt dort auch, dass wir Gott "mit Scheu und Ehrfurcht dienen sollen" (Hebr. 12,28), eben weil er ein verzehrendes Feuer ist.

Viele fragen sich nun, wie das mit dem Gott der Liebe in Übereinstimmung zu bringen ist.

Die Antwort ist schlichtweg logisch. Gottes Wesen ist nicht nur Liebe, sondern auch Heiligkeit. Das verzehrende Feuer lodert aus seiner Heiligkeit heraus gegen alles, was nicht heilig ist. Die heiligen Thronengel, die in seiner unmittelbaren Nähe stehen, "hören nicht auf, Tag und Nacht zu sagen: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt!“ (Offenbarung 4,8)

Nun haben wir Menschen von Natur aus ein Problem: Wir können uns die Heiligkeit Gottes nicht vorstellen. Um sie auch nur zu erahnen, muß Gott uns eine innere Erkenntnis darüber schenken. Wenn wir ihn um diese Erkenntnis bitten, beginnen wir langsam, einen Bruchteil von seiner Heiligkeit zu erahnen. Schon dieser Bruchteil führt dazu, dass wir definitiv damit aufhören, in verniedlichender oder leichtfertiger Weise über Gott zu reden.

Denn Beides ist wahr: Gott ist Liebe und Gott ist ein verzehrendes Feuer!

Aber wie passt das zusammen?
Man muss die Bibel immer sehr genau lesen! Vor der Aussage in Hebr. 12,29 steht das kleine, entscheidendes Wörtchen "unser"! "UNSER Gott ist ein verzehrendes Feuer!"

Dieser Gott ist UNSER Gott! Der Heilige Geist, der Autor der Bibel, hat hier ganz bewußt so formuliert. Wir ahnen in dieser Formulierung, dass ein Gott, der "unser" Gott ist, uns nicht zugleich im verzehrenden Feuer vernichten kann. Aber wie geht das zusammen?

Das ging nur zusammen im Kreuz, an dem der Herr Jesus Christus starb. Am horizontalen Balken sehen wir die Liebe Gottes, wie der Herr seine Arme weit ausstreckt, um uns zu sich zu ziehen. Am vertikalen Balken sehen wir das verzehrende Feuer, mit dem Gott seinen heiligen Zorn in den Staub von Golgatha rammte, sodass es drei Stunden finster wurde und die Erde bebte.
In den Schnittpunkten des Kreuzes treffen sich die Liebe und die Heiligkeit.

Wenn wir in unseren Gottesdiensten nur noch "Gott ist Liebe" hören und nichts mehr vom verzehrenden Feuer, haben wir uns einen Götzen gebastelt, der die Bedeutung des Kreuzestodes des Herrn gering achtet. Götzendienst aber ruft das verzehrende Feuer Gottes hervor.

Wir sollten den Buß- und Bettag 2025 nutzen, um Gott wegen der Geringschätzung seines Sterbens für uns um Vergebung zu bitten, diesen Götzen von uns wegschaffen, und uns neu dem wahren Gott zuzuwenden, so wie er uns in der Bibel gezeigt wird.
Echte Gotteskinder tun dies in diesem Geist: "Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft emp­fangen, wiederum zur Furcht, sondern ihr habt einen Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Kin­der Gottes sind. (Römer 8,15-16)

Abba, lieber Vater, zu Gott sagen zu dürfen, der ein verzehrendes Feuer ist, dass haben wir nur dem Herrn Jesus zu verdanken, der sich am Kreuz schützend zwischen uns und Gottes heiligem Zorn stellte.

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