Die Bibel wurde in drei Sprachen geschrieben: Hebräisch, Aramäisch und Griechisch. Das Alte Testament ist in Hebräisch geschrieben, bis auf Teile des Buches Daniel und des Buches Esra, die in Aramäisch geschrieben wurden. Das Neue Testament wurde in Griechisch geschrieben.
Es gibt aber einen einzigen Satz, der in der Bibel in allen drei Sprachen zu finden ist. Das ist der Klageruf des Herrn Jesus am Ende Seines Todeskampfes am Kreuz:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Das rief der Herr während einer dreistündigen Finsternis, als Gott alle Sünden dieser Welt auf ihn legte, und ihn verließ. Denn da, wo Sünde ist, kann Gott nicht sein.
Im Psalm 22,2 steht dieser Satz in hebräischer Sprache. Dort ist er eine prophetische Vorausschau auf das Kreuzigungsereignis.
Der Herr selbst hat ihn auf Aramäisch ausgerufen (Matth. 27,46; Markus 15,34).
Matthäus und Markus übersetzen ihn für ihre Leser in die damalige Weltsprache Griechisch.
Es muss also eine wichtige Bedeutung haben, dass Gott diesen Satz in allen drei Bibelsprachen niederschreiben ließ.
Ich glaube, wir sollen dadurch auf Folgendes aufmerksam gemacht werden:
Der Herr Jesus, der von sich sagen konnte, dass er mit Gott vollkommen eins war ("Ich und der Vater sind eins," Johannes 10,30) musste in diesen drei Stunden am Kreuz (von der 6. bis zur. 9. Stunde, also von 12 bis 15 Uhr) eine Trennung von Gott durchleiden, die für ihn schrecklicher war, als die Schmerzen der Folter und der Kreuzigung. Wir, die wir ein vollkommenes Einssein mit Gott nicht kennen, können uns diesen Schmerz nicht vorstellen. Viele Menschen werden diesen Schmerz leider in der Hölle kennenlernen, ohne jemals ein Ende dessen zu erfahren.
Der Herr ertrug freiwillig, und ohne eigene Schuld zu haben, das Hinabgestoßen-Sein in die Finsternis und in die Gottesferne aus Liebe zu uns, damit wir nicht in die ewige Finsternis und Gottesferne der Hölle hinabgestoßen werden müssen!
Mit der dreistündigen Finsternis legte Gott einen pietätvollen Schleier um das schmerzverzerrte Gesicht seines Sohnes und zog sich von ihm zurück. Diese Finsternis war keine natürliche Sonnenfinsternis. Die dauern nur wenige Minuten, und nicht drei Stunden. Nein, sie war ein göttlichen Gericht. Denn wenn Gott sich zurückzieht, ist das immer, und in sich zwingend, ein Gericht.
Was für ein Segen und ein Geschenk, dass der Herr dieses Gericht ertrug, damit wir es nicht mehr ertragen müssen! Sein verzweifelter Schrei, den uns die Bibel in ihren drei Sprachen übermittelt, und in dem sein Verlassen-Sein von Gott erkennbar wird, eröffnet uns den Weg zurück in die Gemeinschaft mit Gott.