C.S.Lewis, der irische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler schreibt über den "unfairen Jesus":
Von manchen Leuten habe ich den Einwand gehört, wenn Jesus sowohl Gott als auch Mensch gewesen sei, dann verlören sein Leiden und sein Tod in ihren Augen allen Wert, "weil das für ihn ja eine Kleinigkeit gewesen sein muss".
Andere mögen (völlig zu Recht) die Undankbarkeit und Unbarmherzigkeit dieses Einwandes tadeln. Was mir die Sprache verschlägt, ist das grenzenlose Mißverständnis, das er verrät.
In einer Hinsicht freilich haben diejenigen, die ihn vorbringen, vollkommen recht. Sie formulieren ihr eigenes Argument noch zu schwach. Die vollkommene Unterwerfung, das vollkommene Leiden, der vollkommene Tod waren für Jesus nicht nur leichter, weil er Gott war - sie waren ihm überhaupt nur möglich, weil er Gott war. Aber ist das nicht ein sehr seltsamer Grund, dieses Geschenk von ihm nicht anzunehmen?
Ein Lehrer ist in der Lage, die Buchstaben für das Kind zu formen, weil der Lehrer ein Erwachsener ist und schreiben kann. Das macht dem Lehrer die Sache natürlich leichter, und nur weil es für ihn leicht ist, kann er dem Kind helfen. Würde das Kind nun seine Hilfe ablehnen, "weil das für Erwachsene ja eine Kleinigkeit ist", und lieber von einem anderen Kind schreiben lernen wollen, das selbst noch nicht schreiben könnte (und somit keinen "unfairen Vorteil" hätte), dann käme es wahrscheinlich nicht sehr schnell vorwärts.
Wenn ich in einem Wildwasserfluß dem Ertrinken nahe bin, kann ein Mann, der noch mit einem Fuß auf dem Ufer steht, mir seine Hand reichen und mir dadurch das Leben retten. Sollte ich ihm jetzt glucksend entgegenrufen: "Nein, das ist nicht fair! Sie sind im Vorteil! Sie haben ja noch einen Fuß auf dem Ufer!"?
Sein Vorteil - nenne Sie ihn "unfair", wenn sie wollen - ist der einzige Grund, warum er mir von Nutzen sein kann.
Wo wollen Sie Hilfe suchen, wenn nicht bei einem, der stärker ist als Sie?
(Quelle: C.S. Lewis, Pardon, ich bin Christ, Seite 77)