Die heutige Predigt klang wunderbar christlich. Der Name des Herrn Jesus wurde genannt; es wurde aus dem lieblichsten aller neutestamentlichen Briefe, dem Philiperbrief, vorgelesen; es wurde erklärt, dass wir "auf dem Weg sind", was der Verkündiger mit einem Turnschuh und einem Wanderschuh versinnbildlichte, die er vor den Altar stellte. Und es wurde oft von der Liebe Gottes gesprochen.
Alles wunderschön, sodass man meinen konnte, man habe eine christliche Predigt gehört.
Aber als der Prediger die Frage stellte: "Von was sind wir denn erlöst?", da brach das ganze christliche Scheingebäude in sich zusammen.
Ich hatte inständig gehofft, er würde diese Frage richtig beantworten. Aber er tat es nicht. Seine Antwort auf die zentralste christliche Frage, nämlich wovon wir erlöst sind, war: "Wir sind erlöst vom Nicht-müssen, hin zum Dürfen."
Wie bitte?? Was ist das denn für ein Geschwafel?
Wenn in einer Predigt auf die zentralste Frage des christlichen Glaubens, von was wir erlöst sind, eine solche Antwort kommt, dann ist das keine christliche Predigt, sondern philosophisches Geschwätz.
Von was sind wir nach dem Zeugnis der Bibel erlöst? Was hätte der Prediger die Pflicht gehabt, der Gemeinde zu erklären?
Wir sind erlöst von unserem hoffnungslosen Getrenntsein von Gott, von unserem sicheren Weg in die Verdammnis der Hölle.
Davon hat uns Christus erlöst! Davon war aber in der ganzen Predigt mit keinem Wort die Rede.
Warum wird das nicht gesagt? Warum das Gefasel vom "Nicht-Müssen" und "Dürfen"?
Ganz einfach: weil man dann von Sünde reden müsste. Denn die hat uns die Trennung von Gott eingebrockt. Und die bringt uns in die Hölle. Aber von Sünde will man heute nicht mehr reden. Also schwafelt man!
Diese Predigt war wieder einmal eine typische, liberaltheologische Immunisierung gegen die wahre biblische Botschaft. Sie enthielt in einer frommen Verpackung eine kleine versteckte Dosis Einlullungs-Vaccin der Firma "Billige Gnade", deren heutige Injektion bewirkte, dass die Gemeinde nur ja nicht auf die Idee kommt, sie "müsste was müssen"!
Wir müssen aber eine ganze Menge müssen! Zum Beispiel umkehren, Buße tun, zum Kreuz kommen, den "alten Adam" dort sterben lassen und ein Leben in der Heiligung führen!
Dietrich Bonhoeffer, der von der billigen Gnade geschrieben hat, würde sich nach dieser Predigt im Grabe umdrehen.