Hat Gott am Menschen wohlgefallen, so wie er ist?

Neulich im Bibelkreis. Wir lasen von der Taufe des Herrn im Markusevangelium und wie die Stimme Gottes aus dem Himmel sagte: "Du bist mein geliebter Sohn an dem ich Wohlgefallen habe." (Markus 1,11)
Jemand fragte: "Ob Gott auch von uns sagen kann, dass er Wohlgefallen an uns hat?"
Jemand anderes antwortete spontan: "Ja klar. Wir sind ja seine Kinder".
Der Moderator freute sich über diese Antwort und bestätigte sie. (Diese Gesprächsszene ist aus dem Gedächtnis protokolliert)

Ich gab zu bedenken: Gott hat keinesfalls an jedem Menschen sein Wohlgefallen! Von Natur aus sind wir Feinde Gottes und er blickt mit Zorn auf die Menschen.

In Johannes 3,36 lesen wir: "Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes BLEIBT über ihm.".
Das heißt doch, dass Gottes Zorn nicht irgendwann auf uns kommt, sondern dass er schon da ist. Sonst könnte er ja nicht bleiben.

Dieses Nicht-Wohlgefallen Gottes an Menschen wurde heftig bestritten!
Das ist mir unbegreiflich. Es ist eine Grundwahrheit des Evangeliums. Und die wird in unserem Bibelkreis mit Vehemenz abgelehnt?

Mir wurde dann gesagt: "Das ist Ihre Interpretation!".
Wenn das nur meine Interpretation ist, kann die natürlich ignoriert werden. Aber wenn das die Interpretation der Bibel ist, kann das nur um den Preis unserer Seelen ignoriert werden. Davor möge uns Gott bewahren!

Darum hier einige ausgewählte Bibelstellen, die beschreiben, wie Gott den natürlichen Zustand des Menschen sieht:

"Da aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es den Herrn, dass er die Menschen gemacht hatte." (1. Mose 6,5)

"Siehe, in Schuld bin ich geboren, und meine Mutter hat mich in Sünde empfangen." Psalm 51,7

"Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig. Wer kann es ergründen?" Jer.17,9

"Wie geschrieben steht: ‚Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“ Römer 3,10-12

"Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben." Römer 5,12

"Unter ihnen führten auch wir alle einst unser Leben in den Begierden unseres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren von Natur Kinder des Zorns wie auch die anderen.“ Eph.2,3

"Denn du bist nicht ein Gott, dem gottloses Treiben gefällt; der Böse darf nicht bei dir wohnen. Die Prahler bestehen nicht vor deinen Augen; du hassest alle Übeltäter.“ Ps. 5,5-6

"Sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass er nicht hört.“ Jesaja 59,2

„Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen.“ Römer 8,8

Es gibt noch viel mehr solcher Aussagen in der Bibel. Kein Wunder, denn das ist die Zentralaussage der Bibel über uns: Der Mensch ist von Natur aus ein verdorbener, verlorener Sünder an dem Gott definitiv kein Wohlgefallen hat!
Das heißt nicht, daß Gott uns nicht liebt. Er liebt tatsächlich Menschen, an denen er kein Wohlgefallen hat. Unser Problem ist aber, dass wir diese Liebe zu einer Billigware machen! Denn wenn wir zwar immer gern und oft von Gottes Liebe reden, aber den dunklen Hintergrund, auf dem diese Liebe erst so richtig hell aufleuchtet, nicht wahrhaben wollen, verliert Gottes Liebe ihre Intensität und Tiefe. Sie verblasst zur Billigware! Natürlich nicht wirklich, aber in unseren Herzen.

Wie kann es nun angesichts der dunklen biblischen Diagnose über unseren Zustand sein, dass Gott uns doch mit Wohlgefallen ansieht? Und welche Menschen sind es, an denen er doch Wohlgefallen hat?

Der einzige Grund für Gottes Wohlgefallen an uns ist Christus in uns!

„Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“ Gal. 2,20

„Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden.“ 2. Kor. 5,21

"Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligung und Erlösung.“ 1. Kor. 1,30

"Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Johannes 15,5

Meine "Interpretation" dieser Bibelstellen:

Gott sieht mit Wohlgefallen auf uns, wenn er Jesus Christus in uns erkennt. Ohne Jesus bleiben wir verdorbene, sündige Charaktere. Aber mit ihm und durch ihn erfahren wir in einem lebenslangen Prozess Reinigung, Veränderung und Heiligung. Dieser Reinigungsprozess wird im folgenden Bibelvers deutlich:

„Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heilige, nachdem er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstelle, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und untadelig sei.“ (Eph. 5,25-27)

Mit dem "Wasserbad im Wort" ist die geistliche Neugeburt gemeint! Das wird im Titusbrief erklärt:
"Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig ... durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist." (Titus 3,4-5)

Menschen, die das "Bad einer Wiedergeburt" geschenkt bekamen, sind erneuerte Menschen im Heiligen Geist. Ihr alter, sündiger, verdorbener Mensch existiert in Gottes Augen nicht mehr! Die Bibel nennt diesen alten Menschen: den alten Adam. Er ist tot! Weil er mit Christus gekreuzigt wurde. Und hier liegt das Geheimnis, warum Gott solche Menschen mit Wohlgefallen ansehen kann: Der alte Mensch ist tot! Aber Christus lebt in ihnen!

"Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir." (Galater 2,20)

Wer sich in dieses Geheimnis tiefer einlesen möchte, dem empfehle ich, den Römerbrief zu lesen. Siehe auch Kolosser 3,3 oder 2. Tim2,11.

Aber! Das "Bad der Wiedergeburt" geschieht nur an dem, der sich bekehrt! Das geschieht nicht einfach so. Es ist ein juristischer Akt der unserer Unterschrift bedarf. Und zwar in Form einer Identifikation. So, wie im alten Testament durch das Auflegen der Hände auf das Opferlamm vor seiner Schlachtung die Identifikation des Sünders mit dem unschuldigen Tier erfolgte, so identifizieren wir Sünder uns in unserer Bekehrung mit dem unschuldigen Lamm Gottes. Wir erkennen an:
"Dies ist der Tod, dort am Kreuz, den ich verdient hätte. Es ist mein Tod, den du dort stirbst. Mein alter, sündiger Mensch hängt jetzt dort mit Dir und ist mit Dir gestorben."

Ohne diesen Willensakt, den man Umkehr, Buße oder Bekehrung nennt, geht es nicht!
Tun wir das nicht, lebt der "alte Adam" noch fröhlich in uns weiter. Keine Kindertaufe dieser Welt kann diesen Typen umbringen. Gott sieht den nur mit heiligster Abscheu an, und absolut nicht mit Wohlgefallen!

Aber den Christus in uns, den sieht er mit größtem Wohlgefallen an!

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