(eine Mitschrift aus einer Predigt von Pfarrer Dr. Wolfang Nestvogel, Hannover; Quelle: https://predigten.beg-hannover.de/media/2019-10-20_markus_13_14-37_w_nestvogel.mp3)
Der Herr Jesus sagt im Zusammenhang mit den Ereignissen der Endzeit und Seiner Wiederkunft, dass niemand diesen Zeitpunkt kennt, außer der Vater im Himmel. Darum fordert Er uns zur Wachsamkeit auf, "damit dieser Tag nicht schnell komme, und euch schlafend finde!" Und Er betont: "Was ich aber euch sage, dass sage ich allen: Wachet!" (Markus 13,36-27)
Aber wie wacht man denn ganz praktisch? Im biologischen Leben ist das klar. Da können frische Luft, Bewegung und Kaffee helfen, um wach zu bleiben. Aber wie geht das im geistlichen Leben? Gibt es hier eine Lebensweise der Wachsamkeit?
Im Folgenden finden wir sieben Kennzeichen der Wachsamkeit, die uns helfen können, der Aufforderung des Herrn zur Wachsamkeit zu gehorchen.
Zuvor muss aber noch von der Voraussetzung gesprochen werden. Denn eine Lebensweise der Wachsamkeit können nur Gotteskinder praktizieren. Die anderen sind ja noch im Todesschlaf ihrer Sünden. Die Voraussetzung ist also, dass wir Gotteskinder sind, dass wir zu Jesus gehören, dass wir Ihn als unseren Herrn und Erlöser angerufen haben, dass wir Ihn ganz persönlich "ergriffen" haben, der am Kreuz für unsere Schuld die Strafe auf sich genommen hat.
Das sind die Voraussetzungen. Wer sich so zu Jesus geflüchtet hat, für den gelten die Kennzeichen der Wachsamkeit.
Der Herr Jesus betont immer wieder, dass wir den Zeitpunkt seiner Wiederkunft nicht kennen. Darum: Verzichte auf zeitliche Spekulationen, und mehr wissen zu wollen, als man durch die Bibel wissen kann. Jesus selbst wusste den Tag nicht, als er davon sprach. Es war die freiwillige Einschränkung seines Menschgeworden-Seins, die ihm das Wissen um diesen Tag damals verwehrte. Wer mehr wissen will, als Gott in seinem Wort offenbart hat, der überzieht sein Konto und überschätzt seine Kräfte. Aber das heißt nicht, dass wir unser Denken ausschalten sollen. Darum das Zweite:
Jesus sagt: Guckt genau hin. Beobachtet die großen globalen politischen Entwicklungen. Seid keine Hinterwäldler und Kleingeister, schaut genau hin. Das wurde schon im Alten Testament am Stamm Isaschar gelobt, dass sie Einsicht in die Zeit hatten und darum wussten, was Israel zu tun hatte (1. Chronik 12,33). Und wenn der Herr uns auffordert, den Feigenbaum zu beobachten (Mk. 13,28-29), dann ist das die Aufforderung, die Zeichen der Zeit genau zu beobachten.
Aber wie soll ich das bewerten, was ich beobachte? Wie kann ich das einordnen? Das braucht das Dritte:
"Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen!" (Mk. 13,31) Dieser Vers ist ein Plädoyer für die Irrtumslosigkeit und Unzerstörbarkeit des Wortes Gottes.
Das Wort Gottes war vor der Schöpfung da. Ja, es hat die Schöpfung ja erst ins Dasein gerufen. Und wenn sich das Universum in seine Elemente auflösen wird, wie Petrus es vorhergesagt hat (2. Petr.3,10-12), dann bleibt das Wort Gottes bestehen.
Gott hat im Laufe der Geschichte dafür gesorgt, dass Sein Wort verschriftet wurde, sodass wir es als Bibel vorliegen haben, und es mit eigenen Augen lesen können. Es ist wahrhaftig und verbindlich. So wie Jesaja es schreibt: "Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich." (Jes.40,8). Und der Herr selbst sagte: „Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz, bis es alles geschieht.“ (Matth. 5,18).
Und: "die Schrift kann nicht gebrochen werden" (Joh.10,35), und: "Dein Wort ist die Wahrheit!_" (Joh. 17,17).
Binde dich an Gottes Wort, wenn du wachsam sein willst, andernfalls bist du jeglichen ideologischen Manipulationen ausgeliefert und wirst mitgerissen vom Zeitgeist. Wenn du das Wort Gottes nicht hast, wirst du auf Dauer keinen festen Stand haben und ein Spielball sein aller möglichen Einflüsse. Darum ist es wichtig, dass wir uns vor der Bibelkritik schützen. Das hat nichts mit Konservatismus oder Traditionalismus zu tun, sondern die Bibelkritik hat genau diese Dynamik, Menschen vom Vertrauen und vom Gehorsam zum Wort Gottes wegzureissen.
Willst du geistlich wach sein, bleibe im Gebet! Es ist so "einfach"! Jesus gibt hier kein hochkompliziertes Seminar zur Frage, wie man wach bleiben soll. Er sagt einfach: Betet! Das ist die selbstverständliche Lebensäußerung eines Christen. Aber Beten ist "das Einfache, dass schwer zu machen ist" (Bertold Brecht, der damit nicht das Gebet meinte). Es ist das Herzstück des Glaubens. Ohne Gebet schläft jeder Glaube zwangsläufig ein. Also: betet!
Der Herr hat dir Vollmacht gegeben. Und zwar zum Arbeiten für Ihn. Er macht das in einem kleinen Gleichnis klar. "Seht euch vor, wachet! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Es ist wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er sollte wachen." (Markus 13,33-34) Du hast die Vollmacht, im Namen deines Herrn zu handeln. Damit verbietet er es uns im Prinzip, uns in dieser gefährlichen Zeit vom Dienst zurückzuziehen, wo er uns doch bevollmächtigt hat. Wenn wir uns nur noch in unseren inneren Zirkel zurückziehen, ein paar Lieder singen und uns gegenseitig trösten, dann sind wir nicht wachsam. Benutze deine Vollmacht und trage sein Wort hinaus. Häng dich rein und arbeite in seiner Gemeinde mit, mach es zu deinem Herzblut. "Handelt bis ich wiederkomme" (Lk.19,13) hat Er gesagt. Dazu benutze deine Vollmacht. "Glückselig ist jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird!“ (Matth. 24,46)
"...und gebot dem Türhüter, er sollte wachen." (Markus 13,34)
Der Herr redet in Joh. 10,3 von einem Türhüter, der die Schafe beschützt, indem er an der Stalltür steht, und nur den guten Hirten reinlässt. Den bösen Hirten lässt er draußen.
"Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe. Dem macht der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus." (Joh.10,2-3).
Du Türhüter, beschütze die dir Anvertrauten. Du Vater, beschütze deine Familie. Ihr Eltern, beschützt eure Kinder. Ihr Älteste, beschützt eure Gemeinde. Ihr Lehrer, beschützt eure Schüler. Jeder, der eine Verantwortung für andere Menschen übertragen bekommen hat, hat die Verantwortung des Türhüters. Und es gehört zur Wachsamkeit, dass wir unsere Leute beschützen vor Lüge, vor Irrtum, vor Lauheit. Wir können nicht auf ihr Herz einwirken, aber wir können ihnen vorleben und helfen, sie auf die Irrtümer hinzuweisen, die ihnen der Zeitgeist unterjubeln will. Wir dürfen uns nicht raushalten. Wir können nicht zuwarten, ob die Dinge sich vielleicht von selber lösen. Wir haben die Aufgabe Türhüter zu sein, sonst sind wir nicht wachsam.
Bereite dich vor, deinem Herrn zu begegnen, wann immer er dich ruft. Es kann lange dauern, bis er wiederkommt. Das hat er in mehreren Gleichnissen erklärt. "So wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen, damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!" (Markus 13,35-37) Die Römer teilten die Nacht in vier Nachtwachen ein. Der Abend, von 18-21 Uhr. Die Mitternacht von 21-00 Uhr. Der Hahnenschrei, von 00-03 Uhr. Und der Morgen, von 03-06 Uhr. Die Nacht ist das Bild für die Abwesenheit des Herrn. Sie dauert schon sehr lange. Es wird langsam Morgen. Umso wichtiger sollte es uns sein, dass wir vorbereitet sind. Bereite dich vor, deinem Herrn zu begegnen, wann immer er dich ruft. Ob du dabei sein wirst, wenn die Entrückung passiert, oder ob du schon vorher von ihm nach Hause gerufen wirst. Sei bereit! "Zu Wartenden mach uns bereit, die auf dein Kommen sehen! An allen Tagen, nicht nur heut, dass wir die ganze Lebenszeit dir froh entgegen gehen!" Froh! - Ein wachsames Leben ist kein Leben mit eingezogenem Kopf, keine Scheuklappenexistenz. Es ist ein bewusstes, ein frohes, ein dankbares Leben, dass nach diesen sieben Kennzeichen der Wachsamkeit lebt. Wer so lebt, bekommt Immunität gegen alle Panikmache! Er bekommt eine sehr, sehr starke Stellung gegenüber allen menschlichen Apokalypsen und ideologischen Kravallen. Er wird nicht die Augen vor den dramatischen Entwicklungen verschließen. Er steht mit beiden Beinen fest in der Gegenwart und ist zugleich geborgen in Gottes Ewigkeit. Denn er weiß: Das Schönste kommt erst noch.
Solange uns der Herr hier noch leben lässt, wollen wir jeden Tag zu Seiner Ehre nutzen, damit er uns, wenn er kommt, fröhlich bei der Arbeit findet.