Neulich, bei einem Gespräch unter Christen. Wir kamen auf die Frage, ob es im Himmel echte Körperlichkeit gibt. Ausgelöst wurde diese Frage, weil im Hebräerbrief, genauer Hebräer 8,5 die Rede vom alten Jerusalemer Tempel ist, ein Prachtbau der Antike. Dieses damals wohl schönste Gebäude der Welt wird in Hebräer 8,5 nur als ein "Vorschatten" bezeichnet, als ein Abbild des eigentlichen Tempels, den wir nicht sehen können, weil der im Himmel ist.
Wie muss man sich aber diesen himmlischen Tempel vorstellen? Ist der so etwas wie ein "Luftschloss", irgendwie glasig, verschwommen, wolkig? So jedenfalls stellen sich vermutlich die meisten Leute die himmlischen Dinge vor. Irgendwie vergeistigt. Aber ganz sicher nicht handfest.
Das mag eine Folge des platonischen Denkens der alten Griechen sein. Platon (griech. Philosoph, 428-347 v.Chr.) verachtete das Materielle und ließ nur den Geist gelten. Sein Denken prägte die abendländische Philosophie nachhaltig, wovon auch die Kirche nicht verschont blieb. Wenn es also nach Platon ginge, müsste der Himmel rein geistig sein. Denn alles, was nach Materie riecht, ist im platonischen System von Übel.
Diese Vorstellung steckt tatsächlich noch irgendwie in uns drin. Das zeigt zum Beispiel auf unterhaltsame Weise ein humoristischer Zeichentrickfilm "Ein Müncher im Himmel". Darin wird die Vergeistigung des Himmels köstlich überzeichnet. Lustig ist der Film! Aber total falsch. Denn die Bibel kennt keine Abwertung oder gar Ablehnung der Materie. Sie zeichnet ein völlig anderes Bild vom Himmel, ein sehr handfestes!
Schauen wir uns doch mal in der Bibel an, wie es mit der Körperlichkeit im Himmel bestellt ist, und zwar bezüglich unseres eigenen Körpers.
Aber bleiben wir erst nochmal kurz beim Tempel. Der himmlische Tempel wird in der Bibel sehr konkret räumlich beschrieben, so dass es sich hier kaum um ein "Luftschloss" handeln kann. Es muss ein wirkliches Gebäude sein, dass einen wirklichen Raum umfasst, indem wirkliche Wesen versammelt sind, die einen ebenso wirklichen Raum einnehmen.
Die Bibel beschreibt zudem handfeste Tempelgeräte, die sich in diesem himmlischen Tempel befinden, wie sie es auch im irdischen Tempel gab (Altar, Off.6,9; Räucherfass Off. 8,3; Bundeslade Off.11,19; Schalen Off. 15,7; "Gläsernes Meer", so wurde das Waschbecken der Priester genannt Off.4,6).
Und dieser himmlische Tempel muss unfassbar groß sein. Die Bibel sagt, dass dort "zehntausend mal zehntausend" (ein Sprachbild für "unzählige") Engel versammelt sind (Off. 5,11). Auch wird beschrieben, dass nicht nur Engel, sondern auch Menschen dort versammelt sind, nämlich eine "unzählbare Schar, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen.“ (Off. 7,9) Bei Engeln, von denen wir annehmen, dass es Geister sind, könnte man noch schlussfolgern, dass sie als Geister keinen erfassbaren Raum einnehmen. Aber Menschen, die dort auch versammelt sind? Menschen wurden als materielle Wesen erschaffen, die eine bestimmte Substanz haben, die man wiegen und ausmessen kann. Die brauchen also einen bestimmten Raum, besonders wenn sie als "unzählbare Schar" auftreten.
Was finden wir in der Bibel über diese bestimmbaren Körpersubstanzen?
„Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“ (1. Buch Mose 2,7). Die Reihenfolge ist also: Erst wurde der Körper erschaffen. Gott legt offensichtlich großen Wert auf die Materie, auf unsere Körperlichkeit. Er hätte ja auch erst die Seele Adams erschaffen können. Aber er machte zuerst den Körper. Dann gab Gott den Odem hinein. Und so wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.
Was ist nun, wenn der Körper stirbt? Wird die Seele dann für immer im Zustand der Substanzlosigkeit irgendwo herumschweben müssen? Nein, auf gar keinen Fall. Die Bibel beschreibt das so:
"Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben." (2. Kor. 5,1-4)
Mit "irdischem Haus" und "Hütte" ist unser irdischer Körper gemeint. Der wird "abgebrochen". Der Verfall dieses Baus beginnt -das wissen wir aus dem Biologieunterricht- bereits im zarten Alter von 30 Jahren und endet mit dem Totalabbruch, dem Tod. Dann ist die Seele "nackt". Nun schreibt Paulus hier, dass er lieber nicht entkleidet werden möchte, sondern überkleidet werden will. Er möchte also lieber nicht sterben, sondern verwandelt werden. Damit meint er die Verwandlung der Gläubigen am Tag der Entrückung. Diese glücklichen Menschen, die am Tag der Entrückung leben, müssen nicht sterben. Sie werden also nicht "entkleidet", sondern "überkleidet". Das heißt, dass ihr alter sterblicher Körper in einem Augenblick (grie.: "atomos") in einen himmlischen Körper verwandelt wird. „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu (grie.: atomos), in einem Augenblick, beim letzten Posaunenschall. Denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden.“ (1. Kor. 15,51-52)
Und jetzt verstehen wir auch (nurmal als Einschub) das geheimnisvolle Wort des Herrn am Grab vom Lazarus, dass er zur Marta sprach: "Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?"
Diese auf den ersten Blick etwas widersprüchliche Aussage des Herrn wird verständlich, wenn wir von der Entrückung wissen. Diejenigen, die an Jesus glauben und sterben, werden leben. Und dann gibt es noch Menschen, die leben und an Jesus glauben, die aber niemals sterben. Dass sind die glücklichen Menschen, die nicht sterben müssen, weil sie am Tag der Entrückung "überkleidet" werden. Mehr zu dem Thema Entrückung finden wir u.a. hier: 1. Thess. 4,13ff.
Der neue Körper wird ein absolut handfester, herrlicher und unsterblicher Körper sein. Damit wir das auch wirklich glauben können, hat der Herr Jesus uns in seinem Wort eine kleine, interessante Szene bei seiner Auferstehung übermittelt. Er war nämlich mit seinem neuen Auferstehungskörper einfach so in den verschlossenen Raum eingetreten, wo die Jünger versammelt waren, sodass sie befürchteten, er wäre ein Geist. "„Da sie aber noch redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist.“ (Lukas 24,36-37).
Auf diese falsche Vorstellung reagierte der Herr sofort, damit nur ja niemand auf die Idee komme, im Himmel gäbe es keine Körperlichkeit! Der auferstandene Jesus war kein Geist, sondern ein Menschen aus Fleisch und Blut:
"Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße." (Lukas 24,38-39)
Und damit sie auch wirklich davon überzeugt sind, kommt diese nette kleine Szene: "Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen." (Lukas 24,40-43)
Wir können davon ausgehen, dass der Herr nicht aus Hunger nach einem Essen fragte. Wer den Tod überwunden hat und einfach so in geschlossene Räume eindringen kann, der leidet wohl kaum noch unter Hungergefühlen. Diese Handlung war als eindeutiger Hinweis gedacht: "Schaut her! Der Auferstehungskörper ist ein wirklicher, echter Körper".
Und damit ist die Frage im Prinzip beantwortet: Ja, es gibt Körperlichkeit im Himmel! Und wir können uns darauf freuen (wenn wir denn seine Kinder sind), dass wir mit ihm und allen Heiligen dort im Himmel zu Tisch sitzen werden, um gemeinsam zu essen und Wein zu trinken. „Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis zu jenem Tag, da ich es mit euch neu trinken werde im Reich meines Vaters.“ (Mt. 26,29) Und: „Ich sage euch aber: Viele werden kommen von Osten und Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen.“ (Mt. 8,11)
Wir waren uns in dem eingangs erwähnten Gespräch nicht ganz einig, ob es im Himmel wirklich Körperlichkeit gibt. Ich persönlich bin mir aber sehr sicher und erlaube mir diese kindliche Schlichtheit in meinem Glauben. Denn die o.g. Bibelstellen kann ich nur so verstehen: Ja, wir werden einen herrlichen, unsterblichen, wunderschönen neuen Körper bekommen. Weil Gott es nicht darunter tut. Das war immer schon sein Ziel, hätten wir es nicht mit unserer Sünde verdorben. Vielleicht hatte Adam ja schon einen solchen Körper bevor er sündigte. Denn Adam war fähig, im Garten Eden zu arbeiten, ohne dabei ins Schwitzen zu kommen.„Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn baue und bewahre.“ (1. Mose 2,15). Dann aber, als er in Sünde fiel, lesen wir: „Und zu Adam sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten und gesagt habe: Du sollst nicht davon essen – verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du davon essen dein Leben lang. Dornen und Disteln wird er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Feld essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zur Erde wirst, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.“ (1. Mose 3,17-19)
Wie herrlich, dass der Sündenfluch durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus von uns genommen wurde. Auch wenn es "nur" wie eine Anzahlung im Glauben ist. Aber eines Tages werden wir mit einem handfesten, ewigen, himmlischen Körper auferstehen oder überkleidet werden!
"Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden." (1. Kor. 15,51-52)
Wirst Du dabei sein?