Wer darf in die Küche?

Der Gastprediger, ein Pfarrer im Ruhestand, predigte über Epheser 2,17-20.

Zunächst das Gute aus seiner Predigt:

Er erklärte, dass Gott für uns Menschen ein völlig anderes, fremdes Wesen ist, dass wir weder sehen, noch verstehen können. Um darum ein richtiges Gottesbild zu bekommen, brauchen wir Jesus. Denn Gott wurde in Jesus Christus Mensch (Phil.2,7)! Schön, dass der Verkündiger sich dazu bekannte, dass Gott in Jesus Mensch wurde.

Was er nicht sagte, aber hätte sagen müssen:

Der Prediger sprach viel über Heimat und das Gefühl der Geborgenheit darin. Er leitete dies aus Eph. 2,19 ab, wo vom himmlischen Bürgerrecht der Christen die Rede ist. Im Rahmen dieser Überlegungen über Heimat und Geborgenheit brachte er das schöne Bild von Gästen, die wir in unsere Küche hineinlassen, weil es gute Freunde sind. Gäste, die uns dagegen noch fremd sind, werden eher nicht in die Küche hineingelassen, sondern ins Wohnzimmer.

Soweit waren das alles schöne, hilfreiche Bilder. Aber die Frage, wer denn nun in die "himmlische Küche" hineindarf, um dort die Freundschaft Gottes, die Geborgenheit und Heimatgefühle zu genießen, diese Frage beantwortete er nicht. Warum eigentlich nicht? Es ist doch die Aufgabe eines Predigers des Evangeliums, den Leuten zu erklären, wie sie in den Himmel kommen.

Aber dann hätte er über die Buße reden müssen. Und die ist heute tabu. Denn ohne Buße, bzw. Umkehr von unseren Sünden kommt niemand in die Küche.

Das ergibt sich sehr klar aus dem Kontext, in dem der Predigttext steht:

"Auch euch hat Gott zusammen mit Christus lebendig gemacht. Ihr wart nämlich tot – tot aufgrund der Verfehlungen und Sünden, die euer früheres Leben bestimmten. Ihr hattet euch nach den Maßstäben dieser Welt gerichtet und wart dem gefolgt, der über die Mächte der unsichtbaren Welt zwischen Himmel und Erde herrscht, jenem Geist, der bis heute in denen am Werk ist, die nicht bereit sind, Gott zu gehorchen. Wir alle haben früher so gelebt" (Epheser 2,1-3)

Es gibt also in unserem Leben zwei Zeiten und zwei Zustände: Früher und Heute! Tot und lebendig! Tote kommen nicht in die Küche! Dort würden sie sonst mit ihrer Verwesung alles Genießbare kontaminieren. Sie sind tot, weil sie noch in ihren Sünden leben. Sogar Paulus, der in seinem früheren Leben ein oberfrommer Rabbiner war, zählte sich mit all seiner Frömmigkeit zu den Toten, als er Jesus noch nicht kannte. Frömmigkeit nützt also gar nichts, um lebendig zu werden! Jeder von uns ist von Geburt an tot in seinen Sünden. Wir müssen "mit Christus lebendig gemacht" werden!

Wie werden Menschen auf der biologischen Ebene lebendig? Indem sie geboren werden. Und wie werden Menschen, die noch in ihren Sünden tot sind, auf der geistlichen Ebene lebendig? Indem sie von neuem geboren werden. Siehe Johannes 3.

DAS hätte der Prediger erklären müssen! Stattdessen vermittelte er eine trügerische Scheinsicherheit dadurch, dass er alle seine Zuhörer unterschiedlos in die Küche schiebt. Warum tut er das? Er kann doch gar nicht wissen, ob jeder seiner Zuhörer ein wiedergeborenes Gotteskind ist! Er versündigt sich an den Menschen, die noch nicht wiedergeboren sind, indem er ihnen die falsche Sicherheit vorgaukelt, sie seien in der himmlischen Küche willkommen. Nein! Das sind sie keineswegs. Das Gleichnis vom fehlenden Hochzeitskleid spricht hier Klartext: „Als aber der König hineinging, um sich die Gäste anzusehen, sah er dort einen Menschen, der kein hochzeitliches Gewand anhatte; und er sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, führt ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Da wird das Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ (Matth. 22,11-14)

Das hochzeitliche Gewand ist die Gerechtigkeit, die einem Menschen in dem Moment angezogen wird, wenn er von neuem geboren wird. Niemand bekommt das Kleid der Gerechtigkeit ohne eine Neugeburt! Somit kommt auch niemand in die himmlische "Küche", der noch seine sündigen alten Kleider trägt.

Paulus fährt (im Kontext) fort: "Wir alle haben früher so gelebt; wir ließen uns von den Begierden unserer eigenen Natur leiten und taten, wozu unsere selbstsüchtigen Gedanken uns drängten. So, wie wir unserem Wesen nach waren, hatten wir – genau wie alle anderen – nichts verdient als Gottes Zorn."

Und weiter: "Doch Gottes Erbarmen ist unbegreiflich groß! Wir waren aufgrund unserer Verfehlungen tot, aber er hat uns so sehr geliebt, dass er uns zusammen mit Christus lebendig gemacht hat. Ja, es ist nichts als Gnade, dass ihr gerettet seid! Zusammen mit Jesus Christus hat er uns vom Tod auferweckt, und zusammen mit ihm hat er uns schon jetzt einen Platz in der himmlischen Welt gegeben, WEIL WIR MIT JESUS CHRISTUS VERBUNDEN SIND."

Das ist der Punkt!!! Weil wir mit Jesus verbunden sind!!!

Daran entscheidet sich alles! Und wie man mit Jesus Christus verbunden wird, DAS hätte der Verkündiger predigen müssen! - Kein Wort davon!

"Mene, mene, tekel upharsin!" (Gezählt, gezählt und für zu leicht befunden!) (Daniel 5,24-28)

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