Erst das Schöne! Der Verkündiger spricht den Herrn im Gebet nicht einfach nur mit "Gott" an, wie das andere Verkündiger in unserer Gemeinde gerne tun. Das Wort "Gott" ist u.a. ein Gattungsbegriff. Sprechen wir etwa unseren Nachbarn, den wir auf der Straße treffen, mit dessen Gattungsbegriff an? "Mensch, wie geht`s?" Ich finde so ein ausgehustetes "Gott" am Anfang eines Gebets immer irgendwie respektlos. Nur meine Meinung.
Aber der heutige Verkündiger benutzt wohltuend oft die Anrede „lieber Vater“. Das finde ich schön!
Auch war der Gottesdienst insgesamt, rein menschlich betrachtet, eine herzliche Veranstaltung. Der Verkündiger erklärte, dass wir heute die zwei einzigen Sakramente, die wir Evangelischen haben, im Gottesdienst feiern können: die Taufe und das Abendmahl. Ein sympathisches Mädchen, ca. 10 oder 11. Jahre alt, ließ sich heute taufen.
Was für eine Freude, wenn ein Mensch sich bewußt für den Glauben an den Herrn Jesus Christus entscheidet, und dies mit der Taufe dokumentiert. Halleluja! Dann ist Freude im Himmel…
... aber halt… worüber ist nochmal Freude im Himmel? Über die Taufe?
Nein! Über die Buße: „Ich sage euch (sagt Jesus): So wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lukas15,10)
Nicht die Taufe, sondern die Buße ist es, die im Himmel Freude auslöst! Und genau hier lag das tragisch Falsche in diesem Gottesdienst. Der Verkündiger legte Wert darauf, zu betonen, dass Gott alle Getauften annimmt, „egal ob sie mit 10 Monaten, 30 Jahren, ober mit 85 getauft wurden“ (aus dem Gedächtnis zitiert).
Nein, lieber Verkündiger! Das tut Gott ganz bestimmt nicht!
Täte er es, würde er die Liebe verletzen. Unser Gott, der die Liebe ist, verletzt diese aber niemals. Die Liebe respektiert immer die Entscheidungen des Geliebten, auch wenn sie nicht mit den Entscheidungen einverstanden ist!
Was ist mit den zahllosen Menschen, die zwar „mit 10 Monaten“ getauft wurden, aber 85 Erdenjahre lang mit Gott absolut nichts zu tun haben wollten? Müssen diese armen Menschen gegen ihren Willen nun eine Ewigkeit mit einem Gott verbringen, den sie nie haben wollten? Werden die sozusagen „zwangsgeliebt“? Nein! Werden sie nicht! Sie werden die Ewigkeit, so wie sie es gewünscht haben, ohne Gott verbringen dürfen (was bekanntlich die Hölle ist) - und zwar als Getaufte!
(Kleiner "Höllen-Exkurs") Und hier haben wir ganz nebenbei die Frage geklärt, warum es eine Hölle geben muß, also einen Ort, wo Gott nicht ist. Es muss sie geben, weil es einen Aufenthaltsort für Menschen geben muss, die mit Gott nichts zu tun haben wollen. Denn Gott respektiert nicht nur unsere Entscheidungen, sondern auch unsere ewige Personalität. Wir sind "nach dem Bilde Gottes geschaffen". Darum können wir auch (wie Gott) sprechen: "Ich bin!" (2. Mose 3,14) Nur mit dem Unterschied, dass unser Sein aus dem Nichts in Dasein gerufen wurde, aber Gott der ewig Seiende ist. Weil für Gott unsere Personalität so unendlich (im wahrsten Sinne des Wortes!) wichtig ist, wird kein einziger Mensch wieder im Nichts verschwinden. Darum müssen wir irgendwohin, wenn wir nicht bei Gott sein wollen. Diesen Denkfehler der Ablehnung Gottes im Erdenleben begangen zu haben, und sich dessen im Angesicht der Herrlichkeit Gottes bewußt zu werden, wird eine fürchterliche, ewige Qual zur Folge haben: die Hölle. (Kleiner "Höllen-Exkurs" Ende!)
Nun kann man einwenden, dass der Verkündiger ja nicht zu überzeugten, wenngleich getauften, Atheisten gesprochen hat, sondern zu Christen. Aber auch für babygetaufte Christen gilt: Ohne Buße geht es nicht!
Dass dem so ist, hat der Verkündiger leider mit keinem Wort gepredigt. Allerdings hat er es vorgelesen: „So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie...“ (Mt.28,19)
"Macht zu Jüngern" = Schritt eins!
"und tauft sie" = Schritt zwei!
VOR der Taufe kommt in der Bibel immer das „Jünger werden“!
Und wer ist ein Jünger? Derjenige, der 1. glaubt, dass Jesus der menschgewordene Sohn Gottes ist und 2. alles um seinetwillen verlassen hat, um ihm nachzufolgen.
Auf uns heute übertragen:
Das meinte der Herr, als er sagte: "Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lukas 14,27). Und Paulus sagte es so: "ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir." (Galater 2,19-20)
Erst die Buße! Erst die Umkehr! Erst die Hingabe an Christus! Und dann die Taufe. Sie ist nur ein äußeres Zeichen und hat keinerlei "magische" Wirkung. Sie ist ein öffentliches Bekenntnis, dass wir durch die Buße von unseren Sünden gereinigt wurden.
Schriftbeweise: (nur drei; es gäbe sehr viel mehr)
Bibelstelle: „Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ (Markus 16,16) Der Glaube ist es! Wer nicht glaubt (auch wenn er getauft ist), wird verdammt werden.
Bibelstelle: „Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lukas 23,43) Das sagt der Herr am Kreuz zu dem neben ihm Gekreuzigten, der nicht mehr getauft werden konnte, aber der klar die beiden Merkmal der Buße gezeigt hat: 1. Erkenntnis und Bekenntnis der eigenen Sünden („wir empfangen, was wir verdient haben“ V.41) und 2. Umkehr zum Retter Jesus („denke an mich, wenn du in dein Reich kommst“ V.42). Die Buße zählt. Nicht die Taufe!
Bibelstelle: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ (Apg. 2,38) Auch hier wieder die biblisch richtige Reihenfolge! Erst die Buße, dann die Taufe. Eine Taufe ohne Buße führt nicht dazu, dass ein Mensch die Gabe des Heiligen Geistes empfängt!
Der Kindertaufe sozusagen eine magische Wirkung zuzuschreiben, als wäre sie eine sichere Eintrittskarte in den Himmel, ist ein fataler Irrtum. Dieser Irrtum wurde im heutigen Gottesdienst leider nicht korrigiert. Im Gegenteil. Es wurde konsequent verkündigt, dass Gott alle Getauften mit dem Band seiner Liebe festhält. Das ist definitiv nicht das biblische Evangelium, wenn es die persönliche Entscheidung des Getauften (seine Buße) außer acht lässt!
Gott kann nur solche Menschen mit dem Band Seiner Liebe festhalten, die durch die Buße gegangen sind. Die sich bekehrt haben! Und die hält er wirklich fest! "Niemand wird sie aus meiner Hand reißen!" (Joh. 10,28-30)
Darum ruft er nicht dazu auf, sich einer Taufe zu unterziehen, sondern er ruft zur Buße auf. Die mag man dann gerne mit dem Zeichen der Taufe besiegeln.
Gott "will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße (hier steht nicht Taufe!) finde.“ (2.Petrus3,9)
Darum „gebietet er allen Menschen überall, Buße zu tun (hier steht nicht `sich taufen zu lassen´) weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er für alle beglaubigte, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat.“ (Apg. 17,30-31)
Es werden viele Getaufte in der Hölle sein, die sich nie bekehrt haben. Und es werden viele Menschen im Himmel sein, die sich zur Buße haben rufen lassen, aber (aus welchen Gründen auch immer) nicht getauft wurden.