Teil 5, Der Osterbetrug - ein Beziehungproblem

Die ersten Kirchenkaffeebesucher sind schon gegangen. Sie sitzen immer noch mit Faßbender am Tisch und verstehen jetzt, warum er von Betrug redet. Wenn jemand sagt, daß Christus auferstanden ist, aber eigentlich denkt, daß das gar nicht wirklich passiert sei, sondern nur im Herzen von Gläubigen geschehe, dann ist das schon ein Betrug, oder? Aber ist das denn gleich ein Grund, so fragen Sie sich, dafür in die Hölle zu kommen, wie Faßbender immer wieder behauptet?

Dieser scheint ihre Gedanken zu erraten: "Ja, aus einem einfachen Grund. Pfarrer Schmitz wird einmal vor dem leibhaftig auferstandenen Christus stehen. Wie wir alle. Dann hat er aber ein Problem. Weil er ja nicht geglaubt hat, dass Jesus real auferstanden ist, konnte er mit ihm auch keine reale Beziehung eingehen. Mit einem Toten geht das nicht. Logisch, oder? Und man kann auch weder mit einem Toten noch mit einem Lebenden eine Beziehung herbeiallegorisieren." Faßbendergänsefüsschen. "Das weiß Pfarrer Schmitz auch! Denn als er sich damals in seine Frau verliebte, da hat er das ja auch nicht so gemacht. Da hat er sie nicht im Herzen "auferstehen" lassen. So ein Quatsch! Da hat er sie ganz konkret angesprochen und sie gefragt, ob sie seine Frau werden möchte! So macht man das! Mit Jesus geht das genauso. Er lebt! Darum muss er konkret angesprochen werden. Aber weil Pfarrer Schmitz das nicht tut, weil er ihn ja für tot hält, wird Jesus einmal zu ihm sagen: "Ich habe dich nie gekannt; weiche von mir, du Übeltäter!“. So steht es in Matthäus 7,23. Da wird es ihm auch nichts nützen, zu beteuern: "Herr! Herr! Habe ich nicht in deinem Namen viel gepredigt?".

Es geht so langsam auf Mittag zu. Immer mehr Kaffeebesucher bringen ihre Tassen in die Küche, wo sie später von der treuen Hausmeisterin gespült werden, und gehen nach Hause. Sie fragen sich, ob die Leute sich an diesem Festtag auch solche Gedanken machen, wie sie gerade hier über den Tisch gegangen sind.

"Was ist aber der einzige Ort, wohin ein verlorener Menschen weichen muss, der keine Beziehung zu Jesus hatte?" hören Sie Faßbender fragen. Und er antwortet sogleich: "Das ist die Hölle! Denn es gibt keinen Ort, wo der allgegenwärtige Gott nicht anwesend ist, außer diesen einen Ort, den wir Hölle nennen, den er extra dafür schaffen musste, um dort nicht anwesend zu sein. Denn Menschen, die auf der Erde nichts mit Gott zu tun haben wollen, müssen das Recht haben, auch in der Ewigkeit nichts mit ihm zu tun haben zu müssen. Das verlangt die Liebe. Und Gott ist Liebe. Aber diese Menschen bedenken nicht, dass es nichts Schrecklicheres, Furchterregenderes gibt, als einen Ort, wo Gott nicht anwesend ist. Das wir hier auf Erde Sonnenlicht, Wärme, Vogelzwitschern, lachende Kinder genießen, können wir nur, weil Gott hier noch allgegenwärtig ist."

Faßbender stellt seine leere Tasse auf den Tisch, steht auf und verabschiedet sich mit den Worten: "Beten wir für Pfarrer Schmitz, dass er endlich versteht, was Paulus mal geschrieben hat. „Wenn aber Christus nicht auferstanden ist, so ist unsere Verkündigung vergeblich, und vergeblich auch euer Glaube!“ (1.Korinther 15,14)

Sie gehen auch. Draußen ist es warm und hell. Im Garten neben der Kirche stehen Osterglocken in ihrer vollen Blüte. Es fühlt sich nach frischem Leben an. Passend zu Ostern. Nachdenklich machen Sie sich auf den Heimweg. Sie empfinden Freude darüber, dass Ihr Herr, der für Ihre Sünden am Kreuz blutig bezahlt hat, wirklich leibhaftig auferstanden ist. Dann beten Sie beim Gehen in Gedanken für die vielen Pfarrer, für die dieses herrliche Wunder nur noch eine Allegorie ist, ein großer, schwerwiegender Osterbetrug.

(Der Name von Pfarrer Schmitz ist frei erfunden. Das Problem in den Herzen vieler Pfarrer leider nicht.)

Report abuse