Im aktuellen Gemeindebrief Nr. 194 (Juni-August 2025) wird in einem Bericht über die Gemeindeversammlung im März erklärt, dass dort über die Verwendung einiger Liedstrophen in der neuen Liturgie diskutiert wurde. Das ist gut! Und es ist gut, dass die neue Liturgie an das Presbyterium zurückverwiesen wurde.
Beim Sündenbekenntnis singen wir nicht mehr "Herr, erbarme dich!" (Cyrie eleison), sondern bitten Gott in dem neuen Liedvers darum, er möge unsere "engen Grenzen" und unsere "kurze Sicht" in "Weite" verwandeln!
Mal humorvoll gefragt: Bitte ich hier vielleicht um mehr Geld, damit die „engen Grenzen“ meines Urlaubsradius erweitert werden? Oder bitte ich um eine „weite Sicht“, damit ich endlich mal die Quantenphysik verstehe? Und mal ernst gefragt: Was haben diese Bitten noch mit unseren Sünden zu tun?
„Enge Grenzen“ oder „kurze Sichtweisen“ können zwar durchaus Folgen unseres sündigen Wesens sein, sind aber doch in aller Regel nur normale menschliche Begrenzungen. Das Kernproblem jedoch, um das es in der Liturgie geht, ist unsere Sünde. Und das muss dort auch klar zum Ausdruck kommen! Der neue Liedvers verwässert das Vorhandensein und den Ernst der Sünde in unserem Leben.
Bibelstellen über den Ernst der Sünde:
Ihre Tatsache: 1. Joh. 1,8; Römer 3,23;
Ihr Ernst: Römer 6,23;Jak. 1,15;
Ihre Folgen: Jesaja 59,2; Joh. 8,34; Jakobus 4,1-2
Er enthält weder einen Dank für die Gnade, noch ehrt er den Gott, der im Himmel wohnt. Stattdessen verschiebt er unsere Blickrichtung vom Himmel auf die Erde. Der Vers besingt die „Ehre Gottes auf der Erde, in allen Straßen und Häusern.“ Und dreimal: „Frieden auf Erden.“
Selbstverständlich möchten wir, dass Gott auf der Erde geehrt wird, und dass dort Frieden herrscht. Aber das ist bei der liturgischen Gnadenzusage nicht das Thema! Auch in diesem Liedvers erfolgt eine Blickverschiebung. Hier wird zwar nicht der Blick von unserer Sünde wegverschoben, hin zur Alltäglichkeit menschlicher Grenzen, sondern hier soll unser Blick weg vom Himmel, hin auf die Erde verschoben werden. Diese Strategie ist ein erklärtes Ziel einer liberal ausgerichteten Theologie. Es ist das Gegenteil von der Zielrichtung, die uns das Wort Gottes empfiehlt, nämlich unsere Blicke zum Himmel zu erheben, und für die Gnade zu danken, die uns von dort herabkam. Nur von dort fließen uns Trost und Kraft für unser Erdenleben zu! Aber wohl kaum vom Blick in unsere "Straßen und Häuser". Darum sagt die Bibel: „Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“ (Kol.3,1-2) und "Erhebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht." (Lukas 21,28)
Wir sollten also nach der Gnadenzusage besser singen: „Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade."
Hier einige Bibelstellen über die von Gott für uns gewünschte Fokussierung auf den Himmel: Kolosser 3,1-2; Philipper 3,20; Matthäus 6,19-21; 2. Korinther 4,18; Hebräer 12,1-2