Wenn Du einen Wunsch frei hättest - was würdest Du Dir wünschen?

Neulich besuchte mich ein guter alter Freund. Er fragte mich: "Wenn Du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?" Wir sprachen über König Salomo, dem Gott einen Wunsch freigegeben hatte. Salomo wünschte sich daraufhin ein verständiges Herz, also Weisheit und Klugheit. Mein Freund meinte, Salomo habe sich falsch entschieden. Ich war überrascht. Wieso sollte das falsch gewesen sein? Die Bibel berichtet:

"In Gibeon erschien der HERR dem Salomo bei Nacht im Traum. Und Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll!" (1.Könige 3,5)

Da Salomo gerade erst König über Israel geworden war und in die übergroßen Fußstapfen seines Vaters David treten musste, war seine Wahl doch verständlich und angenehm selbstlos: "Gib du deinem Knecht doch ein verständiges Herz, dass er dein Volk zu richten versteht und unterscheiden kann, was Gut und Böse ist." (1. Könige 3,9).

Gott erfüllte den Wunsch. Salomo wurde der weiseste Mensch, der je auf Erden gelebt hat.
"Aber", sagte mein Freund, "Salomo hätte nicht um ein verständiges, sondern um ein ungeteiltes Herz bitten sollen!"

Salomos Herz war zeigeteilt. Auf der einen Seite liebte er Gott, auf der anderen Seite praktizierte er heidnischen Götzendienst. Gott musste ihn darum später auf dieses Problem hinweisen und ihn ermahnen: „Und du, wenn du vor mir wandelst, wie dein Vater David gewandelt ist, mit rechtschaffenem Herzen und aufrichtig, dass du alles tust, was ich dir geboten habe, und meine Gebote und meine Rechte hältst, so will ich bestätigen den Thron deines Königtums über Israel ewiglich …“ (1.Könige 9,4-5).
Auch David, der seinen Sohn sicher gut kannte, ermahnte ihn: "Und du, mein Sohn Salomo, erkenne den Gott deines Vaters und diene ihm von ganzem Herzen und mit williger Seele! Denn der HERR erforscht alle Herzen und erkennt alles Trachten der Gedanken. Wenn du ihn suchst, so wird er sich von dir finden lassen; wenn du ihn aber verlässt, so wird er dich verwerfen auf ewig!" (1.Chronik 28,9). 

So hatte ich die Sache mit Salomos freiem Wunsch noch nie gesehen. Mein Freund hatte vollkommen Recht. Salomo hätte um ein Herz bitten sollen, das ganz und gar Gott hingegeben ist und nirgendwo anders Halt, Hilfe, Geborgenheit oder Trost sucht, das auch allein Gott ehrt und anbetet. Eben um ein ungeteiltes Herz. In einem solchen steht die Liebe zu Gott und die Gottesfurcht am Steuer. Sonst niemand.

Nur nebenbei. Daraus erwächst dann auch Weisheit. Sozusagen als natürliche Folge: „Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Weisheit, und die Erkenntnis des Heiligen ist Einsicht.“ (Sprüche 9,10).

Salomo kürzte diesen Prozess sozusagen ab. Er wollte die Weisheit sogleich haben. Sein geteiltes Herz führte am Ende seiner Regentschaft zu einem geteilten Land.
Interessanterweise war es Salomo, der in seinen Weisheiten schrieb: "Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus." (Sprüche Salomos 4,23). Bibelausleger vermuten, dass Salomo am Ende seines Lebens noch die Kurve gekriegt hat und sich mit ganzem Herzen zum Herrn hin bekehrte. Sie schließen das aus seinem Buch "Prediger".

Wie auch immer. Ich lerne daraus, dass ich mein Herz täglich prüfen will: Ist es ungeteilt beim Herrn Jesus? Oder sind da irgendwo Nieschen und Ecken, die es für sich zurückbehält? Und weil wir selbst gar nicht richtig wissen, was alles im eigenen Herzen los ist, und weil wir uns auch nicht ständig um uns selbst drehen sollen, ist es das Beste, täglich zu beten: Gib mir auch heute ein ungeteiltes Herz!

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