Warum weinte Jesus?

Zweimal wird in der Bibel berichtet, dass Jesus weinte.

Einmal weinte er am Grab seines Freundes Lazarus (Joh. 11,35).
Tat er dies, weil er um Lazarus trauerte? Möglich, aber das kann nicht der eigentliche Grund gewesen sein. Denn er wusste ja, dass er ihn auferwecken würde.
Er ordnete an, die Grabhöhle zu öffnen, sodass Marta entsetzt ausrief: "Herr, er stinkt schon, denn er liegt seit vier Tagen hier". Dann rief er laut in die geöffnete Grabhöhle hinein: "Lazarus! Komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch." (Joh. 11,43-44)
Lazarus lebte wieder. Und Jesus hatte nicht geweint, weil Lazarus gestorben war, sondern weil er das ganze Elend der Sünde sah, dass letztlich für jeden Tod verantwortlich ist. Jesus wusste, dass die Sünde auch alle anderen Freunde und geliebten Menschen ins Grab bringen wird, die Marta, die Maria, die Jünger, und alle anderen, die trauernd und weinend am Grab des Lazarus versammelt waren. Jesus liebte alle diese Menschen, und ihm stand hier, am Grab vom Lazarus, die grausame Folge der Sünde vor Augen. Alle seine geliebten Menschen, die auch seine Geschöpfe sind, werden einmal im Grab enden. "Denn der Tod ist der Lohn für die Sünde!" (Rö.6,23) Darum weinte Jesus am Grab des Lazarus.

Und Jesus weinte, als er vom Ölberg aus die prächtige Stadt Jerusalem vor sich sah (Lk. 19,41-42).
Er war auf dem Weg, um als König in Jerusalem einzuziehen. Aber warum weinte er dann über die Stadt? Weil er wusste, das sie ihn als König ablehnen würde? Nein! Er weinte, weil er sah, dass sie nicht erkennt, "was zu ihrem Frieden dient".
"Und als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn doch auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tag (Anmerkung: wo dein König bei dir einzieht!), was zu deinem Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen." (Lk.19,41)

Mit anderen Worten: "Wenn du doch wüsstest, was du brauchst! Wenn du doch wüsstest, wie sehr du es brauchst, dass ich jetzt nicht deine politischen, gesellschaftlichen, sozialen Probleme löse, sondern für dich sterbe."

Sie wussten es nicht! Sie wollten ihn als König, der ihre politischen und sozialen Probleme löste. Das aber war nicht das, was "zu ihrem Frieden dient"!
Sie huldigten Jesus als König, als er vom Ölberg durch das Kidrontal in Jerusalem einzog: "Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!" (Mt. 21,9). Aber als sie in den nächsten Tagen merkten, dass er nicht das tun würde, was sie von ihm wünschten, da schrien sie: "Kreuzige ihn!" (Mk 15,13-14)

Sie nahmen die tödliche, schreckliche Macht der Sünde nicht ernst. Sie hatten es nicht "auf dem Schirm", das hier ihr eigentliches Problem lag. Darum erkannten sie nicht , dass zuerst dieses Problem gelöst werden musste, bevor man überhaupt erst daran denken konnte, die weltlichen Probleme anzugehen. Die Lösung der Schuldfrage ist das, was zum Frieden dient! Nämlich zum Frieden mit Gott!

Ich möchte Sie ganz persönliche fragen: Wissen Sie, was zu Ihrem Frieden dient? Wissen Sie, was Sie am Dringensten von Jesus brauchen? Wissen Sie, dass die Vergebung Ihrer Schuld Ihr dringendstes Problem ist, wenn Sie noch keine Antwort auf diese Frage haben? Ist Ihnen klar, dass Gottes Sie zu seinem Kind machen, und Sie ewig retten möchte, dass dies aber nur mit Vergebung der Schuld möglich ist?

Es ist keine Schande, sich an diesem Punkt für eine Zeit lang zu irren. Das war selbst den Jüngern an diesem Tag, als Jesus über Jerusalem weinte, noch nicht richtig klar: "Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht: »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte." (Joh.12,14-16)

Darum ist es auch keine Schande, wenn wir Jesus eine Zeit lang falsch verstanden haben, als sei er nur ein "Sozialreformer", ein "guter Mensch", ein "Helfer für unsere alltäglichen Sorgen", ein "Wohltäter für unsere Seelen", ein "Lieferant und Bediener für unsere religiösen Gefühle" oder nur ein "Vorbild zum Gut-Sein". Das ist keine Schande! Aber eine Schande ist es, wenn wir wider besseres Wissen an diesen Irrtümern festhalten!

Das taten die Jünger nicht! Nach der Auferstehung des Herrn verstanden Sie, was zu "ihrem Frieden diente", nämlich dass dieser König für ihre Sünden sterben musste, und dass er auferstehen musste, um so den Sieg über Sünde und Tod zu proklamieren, damit wir mit in den Sog seiner Auferstehung hinein gerissen und gerettet werden, und nicht im Sog der Sünde hinabgerissen werden in den Tod und in die Hölle..

Die Tatsache, dass wir seit zweieinhalb Jahren in unserer Kirchengemeinde darüber nicht mehr reden, predigen, singen und anbeten, offenbart schmerzhaft, dass auch wir "nicht erkennen, was zum Frieden dient".

Darum weint der Herr Jesus auch über uns!

Report abuse