Religiöse Veranstaltungen können die Seele erheben. Sie können Gemeinschaft fördern und Geborgenheit vermitteln. Und noch einiges mehr. Aber wenn es nur seelische Erfahrungen sind, ohne dass der Geist dabei ist, dann haben alle religiösen Veranstaltungen keinen Wert und keine bleibende Wirkung. Und seien sie noch so erhebend!
Das wird leicht klar, wenn man sich vorstellt, man würde auf dem Heimweg nach einer solchen Veranstaltung verunglücken. Dann wäre unsere Seele sehr schnell in einem ganz anderen "Modus". Sie hätte wohl nur wenige Minuten nach der erhebenden Veranstaltung nicht mehr das erhebende Gefühl derselben. Sie fühlte sich dann eher erdrückt. Seelisches ist in aller Regel instabil.
Was uns wirklich Halt gibt, das ist der Geist. Der Heilige Geist!
Wer nun seine Bibel kennt, der weiß um diesen Unterschied zwischen Seele und Geist. Beide können wohl auch gute Freunde sein. Aber zumeist stehen sie einander feindlich gegenüber. Darum spricht der Psalmbeter manchmal tadelnd mit ihr: "Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ (Psalm 42,6)
Oder er fordert sie zu etwas Positivem auf: „Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!" (Psalm 103,1)
Hier spricht ein geistlicher Mensch seine Seele an. Seele und Geist müssen streng getrennt werden! Tun wir das nicht, können wir auf falsche religiöse Wege geraten.
Ein gutes Beispiel ist Petrus. Als der Herr seinen bevorstehenden Leidensweg ankündigte, da sagte Petrus: "Herr, schone dich! Das widerfahre dir nur nicht" (Mt. 16,22). Da hatte Petrus ganz sicher "aus tiefster Seele gesprochen"! Aber es war nicht der Geist!
Seele und Geist dürfen nicht vermischt werden. Denn was seelisch ist, kann Gott nicht gefallen, weil es unter die Sünde gefallen ist. Gott hat ausschließlich gefallen an uns, wenn wir geistlich sind. Geistlich können wir nur werden, wenn Gott uns den Geist schenkt. Dieses Geschenk nennt die Bibel "Wiedergeburt". Es ist die Geburt eines neuen Geistes in uns. Siehe dazu Johannes 3 und Titus 3,4-7.
Wir werden also nur dann geistlich, wenn wir von neuem geboren werden. Dann müssen wir ein Leben lang darauf achten, dass wir das neue geistliche Leben nicht mit dem Seelischen verwechseln oder vermischen. Darum heißt es in Hebräer 4,12: "Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens."
Was ist nun das Geistliche (im Unterschied zum Seelischen)?
Geistlich ist alles, was den Herrn Jesus Christus erfreut, ihn ehrt, ihn erhebt, ihn anbetet, ihn in den Mittelpunkt stellt und ihm dient. Denn das ist die vornehmste Aufgabe und der innigste Wunsch des Heiligen Geistes, dass Jesus Christus verherrlicht werde. "Er wird mich verherrlichen...", sagte der Herr Jesus über ihn in Joh. 16,14.
Seelisch dagegen ist das, was uns selbst gut tut, was uns ehrt, uns erhebt und uns dient.
Mit diesem Wissen frage ich Sie und Euch nun: Wurde bei der Abendandacht Jesus Christus verherrlicht, geehrt, erhoben, angebetet?
Wenn ja, dann war es eine geistliche Veranstaltung, an der Gott Wohlgefallen hatte. Aber leider war sie das nicht! Denn Jesus Christus wurde nicht verherrlicht, geehrt, erhoben oder angebetet. Er tauchte zwar einmal kurz in der Begrüßungsformel auf ("Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes."), aber danach durfte er den Rest des Abends draußen vor der Tür stehen. Er wurde mit keinem Wort mehr erwähnt.
Somit blieb diese Abendandacht eine Veranstaltung, die man als religiös, durchaus auch als seelisch erhebend bezeichnen kann (der Chor hat z.B. sehr gut gesungen!), die aber kein geistliches Leben in sich hatte, und damit keine geistliche Kraft besaß.
Bezeichnend fand ich auch zwei andere, zu der ungeistlichen Gestaltung des Abends passende Dinge. Das Wort Gottes wurde an keiner Stelle vorgelesen und in den Fürbitten wurden keine Bitten an Gott gerichtet, sondern nur Fragen in den Raum gestellt, ohne diese ausdrücklich an Gott zu adressieren.
Geistesleitung sieht anders aus! Der Heilige Geist drängt immer zum Wort Gottes hin. Denn darin wird Jesus verherrlicht. Also wird das Wort auch immer gerne vorgelesen, wenn der Heilige Geist das Sagen hat.
Der Heilige Geist drängt auch immer zum Gebet. Gebet ist aber per Definition die Ansprache zu Gott hin, und nicht wenn wir einfach nur Fragen in den Raum stellen. Die Frage, die an diesem Abend nicht gebetet, sondern nur in den Raum gestellt wurde, lautete: "Was können wir tun?"
Die Antwort liegt auf der Hand, wurde aber leider nicht gegeben!
Wir können Buße tun und uns zu Jesus Christus bekehren, indem wir anerkennen, dass wir verlorene Sünder sind, seine Vergebung in Anspruch nehmen, und unser Leben Ihm ganz unterstellen!
„Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ (2. Korinther 5,21)
Tun wir das nicht, bleiben unsere Gottesdienste auf einer seelisch-religiösen Ebene ohne Beteiligung des Heiligen Geistes. Dann lautet Gottes Urteil über unsere Veranstaltungen, bei aller Qualität des Chorgesangs und bei aller seelischen Erhebung, folgendermaßen:
„Tue weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören. Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach." (Amos 5,23-24)