Kein Mensch kann Gott sehen oder fühlen, oder überhaupt Ihn irgendwie wahrnehmen. Wir leben von Natur aus in einer Gottesfinsternis. Diesen Begriff prägte der Religionsphilosoph Martin Buber. So, wie die Sonne durchaus da ist, aber während einer Sonnenfinsternis nicht zu sehen, so ist auch Gott da. Ja, er ist allgegenwärtig. Aber der Menschen hat seinen Sensor für Gott verloren. Er hatte ihn einmal. Aber er ist ihm abhanden gekommen. Dieser Verlust ist die eigentliche, die allerschlimmste Katastrophe, die je diesem Planeten zugefügt wurde. Wie das im Einzelnen geschah, können wir in den ersten Kapiteln der Bibel nachlesen. Wir waren jedenfalls gewarnt!
„Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du davon isst, musst du des Todes sterben.“ (1. Mose 2,16-17).
Wer hier weiterliest, wird überrascht feststellen, dass Adam gar nicht (wie angedroht) am gleichen Tag starb. Er lebte noch viele hundert Jahre. Das war damals aufgrund der noch nicht degenerierten Genetik, und der noch bis zur Sintflut besseren Schutzwirkung der Atmosphäre, möglich.
Aber Gott hatte nicht "geblufft". In der Sekunde, als Adam die Frucht aß, starb sein Geist, der Sensor für Gott.
„Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten, lesen wir in Johannes 4,24. Weil dieser Geist in uns tot ist, können wir Gott nicht mit eigenen, freien Worten anbeten. Diese "Bethemmung" dürfte jedem von uns, der sich noch nicht bekehrt hat und somit noch in seinen Sünden lebt, irgendwie bekannt vorkommen.
Das liegt am zerstörten Gottessensor, der in Adam starb, als er in Sünde fiel. Darum erkennen wir Gott nicht.
Wenn man sich mit diesem Wissen dann aber mal versucht vorzustellen, dass Gott allgegenwärtig ist, dass Er in jedem Sonnaufgang, in jedem Vogelzwitschern, in jedem Windhauch anwesend ist, wir aber davon absolut nichts mitbekommen... dann ist das eine schockierende Tatsache. Ja, mehr noch!
Es heißt in der Bibel, dass Gott nur mit seinem Wort alle Atome des Universums zusammenhält (Hebr.1,3). Wahnsinn! Unvorstellbar! Und wegen unseres zerstörten Gottessensors ist uns überhaupt nicht klar, was das bedeutet! Zum Beispiel: Jeder Atemzug, jedes Wort auf unseren Lippen ist nur möglich, weil Er uns dazu die Kraft gibt, unabhängig davon, ob wir damit Gott anbeten oder ihn beleidigen. Jede Armbewegung können wir nur tun, weil Gott uns dabei die Atome und Moleküle im Körper zusammenhält, egal ob wir mit diesem Arm Menschen helfen oder schlagen. Das geht soweit, dass jeder Hammerschlag der römischen Soldaten, die Jesus Christus an das Kreuz nagelten, nur möglich war, weil Gott ihnen dazu die Lebenskraft gab. Davon bekamen die Soldaten absolut nichts mit. Sie hatten kein Bewußtsein für diese Zusammenhänge. Und wir sind keinen Deut besser als sie, wenn wir mit jeder Sünde, jedem bösen Wort, jedem Betrug einen Nagel in die Arme des Herrn schlagen und nicht kapieren, aus welcher Kraft wir das überhaupt tun können, und auch nicht kapieren, dass all diese bösen Dinge unendliche Schmerzen im Herzen Gottes auslösen. Denn er liebt ja die Menschen, die wir damit schädigen, ebenso unendlich.
Nun könnte man auf die Idee kommen: Ja, warum hört Gott nicht einfach damit auf, alle Dinge mit seinem Wort zu tragen, die Atome mit seiner Kraft zusammenzuhalten?
Mal ehrlich: Wollen Sie das? Ist Ihnen klar, dass wir alle in der nächsten Millisekunde nicht mehr existieren würden, wenn Gott damit aufhörte? Wir können froh sein, dass er eine unendliche Geduld hat.
Die Antwort, warum er die Dinge noch trägt, ist sehr einfach: Aus Liebe! Und weil er aus Liebe einen Ausweg aus unserer Verlorenheit in der Gottesfinsternis geschaffen hat. Ihm war es ein Jammer, dass die Menschen seine Herrlichkeit und Schönheit nicht mehr wahrnehmen können. Denn das war ja der Sinn und Zweck der Schöpfung, die Herrlichkeit und Schönheit Gottes wahrzunehmen und anzubeten.
Es gibt nämlich keine Schönheit fern von Gott. Alle Schönheit liegt in Gott selbst. Die Natur ist nur ein schwacher Abglanz Seiner Schönheit. Obwohl die Natur durch unsere Sünde schwer beschädigt wurde und Tod, Katastrophen und Krankheiten in ihr einziehen konnten, ist sie immer noch wunderschön. Das liegt daran, dass sich Gott noch nicht gänzlich aus ihr zurückgezogen hat. Er trägt sie immer noch.
Jetzt stellt sich die große Frage: Wie können wir Gott aber nun erkennen? Gibt es hier irgendeine Hoffnung? Oder sind wir hoffnungslos in unserer Gottesfinsternis verloren?
Nein, wir sind nicht hoffnungslos verloren. Denn es gibt einen Menschen, der uns den Sensor für Gott reparieren kann. Und NUR der kann das.
Im 1. Brief des Johannes 5,20 lesen wir: "Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns den Sinn gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen."
Jesus Christus, der Sohn Gottes, gibt uns den Heiligen Geist, wenn wir uns bekehren. Und nur durch den Heiligen Geist in uns beginnt eine nie endende Zunahme der Gotteserkenntnis! Diesen Vorgang nennt die Bibel "von neuem geboren werden". Diese Wiedergeburt wird nur dem geschenkt, der sich bekehrt. Sich bekehren heißt, seine persönliche Sünde Jesus Christus zu bekennen und Ihn bitten, künftig der Herr seines Lebens zu sein.
Niemand kann Gott erkennen oder zu ihm kommen, der nicht auf diese Weise neu geboren wurde. Das erklärt Jesus sehr deutlich in Johannes 3.
Wie gut, dass Jesus uns den Sinn für Gott erneuert hat, "damit wir den Wahrhaftigen erkennen." Denn "Gott hat Christus, der ohne jede Sünde war, mit all unserer Schuld beladen und verurteilt, damit wir freigesprochen sind und vor ihm bestehen können." (2. Korinther 5,21)
Jesus, der am Kreuz mitten am Tag, von 12 bis 15 Uhr, in einer tiefen Finsternis hing, die keine Sonnenfinsternis war, sondern eine in der Natur manifestierte Gottesfinsternis (denn keine Sonnenfinsternis dauert drei Stunden!), hat uns durch sein Leiden einen Weg aus unserer geistlichen Gottesfinsternis hart erkämpft.Wir brauchen dem nichts mehr hinzufügen, keine guten Taten, Almosen, Opfer, Pilgerfahrten oder lange Gebete. Das Opfer des Herrn genügt! Wir müssen uns nur bekehren. Mehr ist nicht nötig. Dann bekommen wir den Geist, der uns befähigt, Gott zu erkennen.