Jeremia 29,7: "Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl."
Aus diesem Wort des Propheten Jeremia leiten Christen gerne ab, dass sie sich gesellschaftlich oder politisch engagieren sollen.
Aber ist dieses Bibelwort ein Auftrag Gottes an uns Christen, dies zu tun?
Man muss den Zusammenhang dieses Wortes beachten. (Das ist ja immer der Schlüssel für ein richtiges Verständnis der Bibel.) Wann hat wer zu wem mit welcher Absicht gesprochen?
Dieses Wort sagte Jeremia im Zusammenhang mit der Abwehr falscher Propheten, die verkündeten, dass die Verbannung Israels nach Babylon nicht lange dauern würde, und das Volk Israel bald wieder zuhause sei. Falsche Propheten reden immer gerne das, was die Leute hören wollen.
Gott ließ dem Volk durch Jeremia jedoch sagen, dass der Aufenthalt der Israeliten in Babylon 70 Jahre dauern werde (Jer.29,10)! Und darum sollten sie dort Häuser bauen, Gärten anlegen, heiraten und sich vermehren (Jer.29,4-6). Und darum sei es eben auch für sie von Vorteil, wenn sie das Beste (andere Übersetzung: "den Frieden") für die Stadt suchen würden, in die sie nun 70 Jahre lang leben sollten.
So wenig, wie Gott uns heute befiehlt, in Häusern mit Gemüsegärten zu wohnen (obwohl das vielleicht recht schön wäre), so wenig beauftragt er Christen durch Jer. 29,7, sich gesellschaftlich oder politisch zu engagieren (auch wenn er es ihnen nicht verbietet).
Das entnehmen wir dem Neuen Testament:
Christen sind zuallererst Botschafter der Versöhnung mit Gott: "So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, dass Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!" 2. Kor. 5,20
Dieser Auftrag ergibt sich aus dem Missionsbefehl des Herrn: "Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden." (Markus 16,15-16)
Natürlich haben wir auch Verantwortung für das Wohl unserer Mitmenschen, insbesondere wenn uns Not begegnet! Auch dies ergibt sich aus vielen Stellen im Neuen Testament, u.a. diesen:
"Daran haben wir die Liebe erkannt, dass Er sein Leben für uns hingegeben hat; auch wir sind es schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben. Wer aber die Güter dieser Welt hat und seinen Bruder Not leiden sieht und sein Herz vor ihm verschließt — wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?" (1.Joh.3,16-17)
und
"Erinnere sie, dass sie sich den Regierenden und Obrigkeiten unterordnen und gehorsam sind, zu jedem guten Werk bereit; 2 dass sie niemand verlästern, nicht streitsüchtig sind, sondern gütig, indem sie allen Menschen gegenüber alle Sanftmut erweisen." (Titus 3,1)
Christen haben also den Auftrag, 1. Zeugnis zu sein und 2. anderen Menschen Gutes zu erweisen. Aber unser Auftrag ist es nicht, die Welt zu verschönern oder die Gesellschaft zu verändern!
"Unsere Interessen sind himmlisch (Kol.3,2; Phil.3,20). Wir kennen den Mann im Himmel, unseren Herrn Jesus Christus. Wir gehören zu ihm und sind mit ihm verbunden. Seine Interessen sind unsere Interessen auf der Erde. Und die Interessen des Herrn sind, dass das Evangelium gebracht wird, und dass die Schönheit der christlichen Lehre gezeigt wird im Leben derer, die dieses Evangelium angenommen haben." (Zitat aus dem unten angegebenen Vortrag)
Diese Gedanken sind einem kurzen youtube-Vortrag (12 Minuten) von "bibleteaching" entnommen. Quelle hier: