Teil 4, Der Kniff beim Osterbetrug

Die Kaffeetassen leeren sich langsam. Faßbender hält seine mit beiden Händen umschlungen und schaut hinein, als suche er auf ihrem Grund die Antwort auf Ihre Frage, worin denn nun der Betrug liege.
"Es gibt inzwischen mehr Pfarrer, die nicht mehr an die Auferstehung glauben, als solche, die das glauben. Und ja, damit brechen sie ihren Eid. Und sie müssten eigentlich im Rahmen eines sogenannten Lehrbeanstandungsverfahrens aus dem Amt entfernt werden. Aber sie haben einen Trick. Und darin liegt der Betrug."
"Einen Trick?"
"Ja. Sie können es auch Kniff nennen. Also die Methode, wie sie ihren Unglauben kaschieren können, ohne beim Kirchenamt wegen Lehrbeanstandung angezeigt zu werden. Der Trick ist eine Allegorie."
"Eine Allegorie?" Nun sind Sie aber neugierig.

Faßbender nippt wieder am Kaffee und fährt fort: "Es ist so. Pfarrer Schmitz glaubt nicht, dass Tote wieder lebendig werden. Also glaubt er auch nicht, dass Christus wieder lebendig wurde. Trotzdem -und jetzt passen sie auf- ist er fest davon überzeugt, dass Christus auferstanden ist. Ein Widerspruch? Nein. Der Kniff ist, zu glauben, dass Jesus nur in den Herzen der Menschen auferstanden ist. Allegorisch sozusagen. Sie malen sich das so aus: Die Jünger hätten damals nach der Kreuzigung voller Trauer zusammengesessen und beim Reden über die Erlebnisse der letzten drei Jahre irgendwie gespürt, wie Jesus in ihren Erinnerungen, ihrem Denken und Fühlen, eben in ihren Herzen aufersteht. Denn es erschien ihnen undenkbar, dass so etwas Wunderbares, was sie mit Jesus erlebt hatten, einfach so aufhören könnte, all die Wunder und Heilungen und guten Worte des Herrn. Nein, das durfte nicht aufhören. Also ist er in ihren Herzen auferstanden. Nennen Sie es Wunschdenken, Imagination, Vorstellungskraft. Wie auch immer. Ich nenne es Unfug. Jedenfalls glauben sie, dass eine solche Auferstehung eben auch heute in unseren Herzen möglich ist. Und zwar, wenn wir an Jesus denken, an das Gute, dass er zu Lebzeiten getan hat, dann sind wir davon so erfüllt, dass wir sagen können, dass er in unseren Herzen auferstanden ist. So denkt es in Pfarrer Schmitz. Darum kann er mit Überzeugung ausrufen: "Christus ist auferstanden!" Und alle in der Kirche hören es. Aber sie denken sich etwas ganz anderes dabei, als es in Pfarrer Schmitz denkt. Verstehen Sie?"

Pause am Tisch. Sie haben die vielen Gänsefüßchen, die Faßbender soeben in die Luft gezeichnet hat, nicht mitgezählt. Das alles klingt durchaus einleuchtend. Wer also nicht glauben kann, dass Tote auferstehen können, der hat wohl keine andere Wahl, als sich das so zurechtzubasteln. Und man kann den Leuten nur vor den Kopf schauen. Was sie wirklich da drin denken, sieht man nicht. Wenn ein Pfarrer die Bibel nicht so glauben will, wie Gott das will, sondern wie Menschen es wollen, dann hilft ihm dieser Allegorie-Trick, dass sein Unglaube nicht auffällt und er weiter seinen Job machen kann. Außen kann er fromm tun obwohl er im Herzen nicht glaubt. Unwillkürlich fällt Ihnen das klagende Wort des Herrn Jesus ein:

„Ihr Heuchler! Treffend hat Jesaja von euch geweissagt, wenn er spricht:
Dieses Volk naht sich zu mir mit seinem Mund
und ehrt mich mit den Lippen,
aber ihr Herz ist fern von mir.
Vergeblich aber verehren sie mich,
weil sie Lehren vortragen, die Menschengebote sind.
“
(Matthäus15,7-9)

"Er ist sich vielleicht gar nicht darüber im Klaren" reißt Faßbender Sie aus Ihren Gedanken, "dass er damit von einem Hirten (lat.: Pastor) zu einem Wolf im Schafspelz wird, der die Ewigkeit in der Hölle verbringen wird. Darum hatte ich sie ja in der Kirche darum gebeten, für ihn zu beten. Gott liebt diesen Mann. Aber man weiß nie, wann Gott aufhört, einen Menschen zu sich zu ziehen. Zumal ein Pastor, also ein Hirte, eine größere Verantwortung vor Gott hat, als ein einfaches Schäfchen und Gott hier strengere Maßstäbe anlegt. Solange wir aber für ihn beten, stehen die Chancen gut, dass Gott nicht aufhört, ihn zu ziehen. Entscheiden muss er sich aber letztlich selbst, was er glauben will."

"Ok, aber wie können sie so sicher sein, dass er in die Hölle kommt, nur weil er die Auferstehung allegorisch und nicht als wirkliches Ereignis versteht?" So richtig wollen Sie sich mit der Härte dieser Konsequenz noch nicht abfinden.

(wenn Sie sich auch nicht damit abfinden können, lesen Sie HIER weiter)

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