Eine wichtige Frage in der heutigen Predigt lautete:
Es gab noch andere Fragen. Aber ich greife diese auf, weil an der Antwort des Verkündigers erkennbar wurde, dass auch heute wieder ein Evangelium in unserer Kirche gepredigt wurde, das ich nicht mit dem einen wahren Evangelium der Bibel in Übereinstimmung bringen kann!
Der Verkündiger beantwortete diese Frage so: "Ja, die christliche Botschaft ist auf jeden Fall noch zeitgemäß!" Und welche Botschaft er meinte, dass wurde nach der Predigt in einem Gebet deutlich, das er für drei Täuflinge sprach, die in der letzten Woche in unserer Kirche getauft wurden. Er betete, sie mögen in ihrem Leben "die Botschaft des Friedens, der Gemeinschaft und des guten Zusammenseins" erfahren.
Diese "Botschaft des Friedens, der Gemeinschaft und des guten Zusammenseins" soll also die zeitgemäße christliche Botschaft sein!? Das hört sich ja erstmal nicht falsch an. Aber wenn das alles ist, dann fürchte ich, liegt hier ein falsches Verständnis der christlichen Botschaft vor!
Das Erfahren von "Frieden, Gemeinschaft und guten Zusammenseins" ist nämlich durchaus nicht die christliche Botschaft, sondern "nur" eine Folge derselben! Frieden und Gemeinschaft werden uns geschenkt, wenn wir der christlichen Botschaft gehorsam werden! Es sind sozusagen erfreuliche Zugaben. Aber die christliche Botschaft selbst ist viel größer und geht viel tiefer!
Ein Vergleich: Nach einem guten Essen empfinden wir ein Gefühl der Sättigung, Befriedigung und Freude über den guten Geschmack, den der Koch produziert hat. Kein Mensch käme auf die Idee, diese schönen Nachwirkungen des Essens mit dem Kochrezept zu verwechseln! Wollte man versuchen, das köstliche Gericht nur damit nachzukochen, dass wir uns an dessen Geschmack erinnern, dürfte das wohl nichts werden. Wir brauchen das Rezept!
Und so ist die christliche Botschaft weit mehr, als wir es in diesem Gottesdienst verkündigt bekamen. Sie ist eine Botschaft, gegen die alle Dramen der Weltliteratur nur müde Gutenachtgeschichten sind. Sie ist eine Botschaft von Rebellion gegen Gott, verschmähter Liebe, Ungehorsam, Hochmut und Schuld, und eine Botschaft des jahrtausende langen Kampfes des Geschmähten um die Liebe seiner Geschöpfe. Und sie gipfelt im Abstieg Gottes vom höchsten Ort des Himmels zu dem tiefsten, unwürdigsten Müllplatz vor den Toren einer Stadt, wo er aus unfassbarer Liebe für uns Rebellen starb! DAS ist die christliche Botschaft, mit meinen eigenen unfähigen Worten dahergestammelt.
Oder um es mal nüchtern "theologisch" zu versuchen:
Wir sind alle verlorene Sünder und haben nichts als die Hölle verdient. Aber Gott hat in seiner Gnade unsere Schuld in seinem Sohn Jesus Christus auf sich genommen, als er am Kreuz für uns starb, sodass wir Vergebung erfahren können. Jeder, der Gott darin Recht gibt, ein Sünder zu sein, und der um Vergebung bittet und sein Leben Jesus Christus unterstellt (sich also bekehrt!), muss nicht in die Hölle, sondern wird zum Gotteskind und zum Erben des Himmels.
„Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ (Joh. 1,12)
Sie war schon immer ein Ärgerniss, ein „Skandalon“ (grie.), ein Stein des Anstoßes:
„Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses; und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ (Römer 9,33) und
„Wir aber predigen Christus als gekreuzigt, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.“ (1.Kor.1,23).
Der Verkündiger belegte dann mit Zahlen, die per Beamer an die Wand geworfen wurden, dass immer weniger Menschen der Kirche vertrauen und die Zahl der Gottesdienstbesucher immer weniger werden. Zur Erklärung dieses Trends stellte er die selbstkritische Frage in den Raum, ob wir "den Bedürfnissen der Menschen nicht gerecht werden".
Das ist nicht die Frage, die wir uns stellen müssen!
Die alles entscheidende Frage ist, predigen wir noch "Christus als gekreuzigt"?
Und das tun wir eben nicht mehr! Wir machen einen großen wohl(fühl)meinenden Bogen um alles, was mit Kreuz, Sünde, Gericht - eben um alles, was mit dem Ernst der christlichen Botschaft zu tun hat. Und dann müssen wir uns nicht wundern, wenn die Leute diese verstümmelte, laue Botschaft nicht mehr ernst nehmen, und nicht mehr in die Kirche kommen!
In dem folgenden Punkt stimme ich allerdings dem Verkündiger voll zu: "Es liegt nicht an der Botschaft! Es muss an uns liegen." Er fragte sich, ob "wir vielleicht nicht das Richtige predigen". Respekt für diese ehrliche Anfrage an sich selbst!
Aber das Problem sind nicht nur Predigten, die das Evangelium zu einem "Wohlfühl-Wochenende im Spa-Hotel" verkürzen! Das Hauptproblem liegt auch bei uns allen, die wir nicht mehr bereit sind, "die Schmach Christi außerhalb des Lagers zu tragen". Wir bleiben lieber beim "zeitgemäßen". Das ist sicherer.
Ich hörte schon entrüstete Worte aus dem Munde langjähriger Kirchenbesucher, wie: "Das kann man doch heute so nicht mehr glauben! Das ist doch Mittelalter!" usw. Ja, schön, dann möge man weiter bei der süßlichen Friedensbotschaft bleiben, aber bitte nicht mehr behaupten, man sei ein Christ, oder man spreche von der christlichen Botschaft! Denn Gott fordert uns immer wieder in seinem Wort dazu auf, dass wir uns nicht dieser Welt gleichstellen sollen (z.B. hier)! Er erwartet von uns, dass wir dem "ein für alle mal überlieferten Glauben" (Judas3) treu bleiben, ganz egal, ob der gerade zeitgemäß ist oder nicht. Und das kann durchaus schmerzhaft sein!
„Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.“ (Hebräer 13,12-13)
Wir müssen endlich wieder so predigen, dass wir zur Scheidung der Geister beitragen und nicht ein falsches Evangelium des "seid umschlungen, Millionen" im Munde führen! Und wir alle müssen uns endlich wieder ohne Vorbehalte zur "Schmach Christi" bekennen. Diese Schmach liegt in dem Skandal und in dem Ärgernis, dass der Weg zum Himmel nur über das Kreuz führt!
Das ist alles andere als zeitgemäß!
Und es ist schon gar keine Botschaft von "Friede, Freude, Eierkuchen"!
Das Evangelium ist die Botschaft von Buße und Bekehrung, von Vergebung und Erlösung! Und das war nie "zeitgemäß"!
„Ich bin gekommen, ein Feuer auf die Erde zu werfen; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte! Meint ihr, ich sei gekommen, Frieden auf Erden zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Zwietracht. Denn von nun an werden fünf in einem Haus entzweit sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei.“ (Lukas 12, 49.51-52)